Converse x Feng Chen Wang - die beste Converse-Kollaboration in 2020?

2020 traut sich Converse wieder auf die große Modebühne. Das kann man zumindest annehmen, wenn man sich die Liste der diesjährigen Kollaborationen des Tocherunternehmens von Nike ansieht.

Converse x Feng Chen Wang - die beste Converse-Kollaboration in 2020?

2020 traut sich Converse wieder auf die große Modebühne. Das kann man zumindest annehmen, wenn man sich die Liste der diesjährigen Kollaborationen des Tocherunternehmens von Nike ansieht.

2020 traut sich Converse wieder auf die große Modebühne. Das kann man zumindest annehmen, wenn man sich die Liste der diesjährigen Kollaborationen des Tocherunternehmens von Nike ansieht. Diese zieren Namen wie Fear of God, A-Cold-Wall und Ambush, von denen letztere vergangenes Jahr bereits durch ihre gummistiefelartigen Adaptionen klassischer Converse-Silhouetten für Aufsehen gesorgt hatten. Diese Liste wird zum Ende des Jahres um einen weiteren Namen erweitert: Feng Chen Wang. Das Londoner Modehaus der gleichnamigen Designerin hatte in vergangenen Jahren mit Converse schon mehrere von Kennern gefeierte Schuhe kreiert. Dieses Jahr sollten sie aber endlich auf dem Radar der breiteren Masse erscheinen. Feng ging im Rahmen der aktuellen Zusammenarbeit mit gleich zwei Modellen an den Start. Im August erschien ihre Interpretation des Jack Purcell, einer klassischen Converse-Silhouette, der sie einen multidimensionalen, futuristisch-organischen, Look verleiht. Der Star der diesjährigen Kollektion ist aber ohne Frage der Chuck Taylor All-Star 70. Dieser ist Mitte Oktober in zwei Colorways auf den Markt gekommen und auf jeden Fall ein Anwärter auf den Titel des besten Converse-Schuh des Jahres.

Feng Chen Wang, die 2015 ihr Studium für Menswear am Royal College of Art abschloss, ist bekannt für ihre futuristisch angehauchten Unisex-Designs. Sie designt ihre Kollektionen nach einer gewissen konzeptionellen Linie. Die diesjährige Fall/Winter-Kollektion zum Beispiel enthält Kleidungsstücke, in denen Materialien oder Teile eines anderen Kleidungsstückes eingearbeitet sind. Ein Sweater mit Teilen eines Hemds oder ein Mantel, an dem on top eine Daunenweste befestigt ist, um nur zwei Beispiele zu nennen. Deconstruct and Re-imagine. Feng bündelt aktuelle Trends und Zeitloses mit- und untereinander für einen alltagstauglichen wie Fashion Week-würdigen Look. Alle ihre Designentscheidungen haben nicht nur kreativen, sondern auch einen funktionalen Hintergrund. So erweckt der Hemdanteil des eben erwähnten Sweaters einen schicken Eindruck wenn er beispielsweise aus Jacke oder Mantel hervorschaut, während der Träger den Komfort eines Sweatshirts erleben darf. Die Daunenweste sorgt nicht nur für einen modernen Touch beim klassischen Mantel, sondern hält zusätzlich warm. Das zeigen auch die Hosen der Kollektion, die trotz trendigen Patchwork-, Cargo- und Tie-Dye-Elementen, den verstellbaren Gummibund einer Jogginghose haben. Ein Feng Chen Wang-Kunde kann morgens gemütlich Brötchen kaufen gehen und im selben Outfit abends auf eine Party gehen. Ihre mutige Designphilosophie, dem alltäglichen Extravaganz zu verpassen, ohne seinen eigentlichen Zweck zu vergessen, ist in dieser Form einzigartig und gehört zu einer ihrer großen Stärken. Vor allem lohnt es sich für den Kunden umso mehr, sich ein Kleidungsstück zu kaufen, was er zu den verschiedensten Anlässen und nicht nur einmal alle drei Jahre tragen kann.

Diese Herangehensweise lässt sich auch in ihren Schuhen mit Converse beobachten. Der eingangs erwähnte Jack Purcell fällt genau in dieselbe Kerbe. Feng verändert nicht nur oberflächlich, sondern dekonstruiert und setzt den Schuh neuartig zusammen, um einen (in diesem Fall wortwörtlich) vielschichtigen Mix aus Klassischer Silhouette, futuristischen Einflüssen und ihren persönlichen Ideen zu erschaffen.

Beim Chuck Taylor 70 gelingt ihr das auch, jedoch liegt da die Messlatte noch einmal wesentlich höher. Ein Künstler oder Designer, der einen bekannten Sneaker neu interpretiert, sieht sich immer der Herausforderung ausgesetzt, nichts vorher Dagewesenes zu wiederholen. Der Designer muss den Schuh seine eigene Designsprache sprechen lassen, ohne den bekannten Look zu verfremden. Er muss die Balance zwischen Einzigartigkeit, Kreativität und Alltagstauglichkeit halten. Dazu kommt noch, dass sich Feng den Chuck Taylor All-Star ausgesucht hat. Den bekanntesten und meistverkauften Schuh auf dem Planeten, der in über hundert Jahren seine Position als der König der Turnschuhe zementiert hat. Jeder weiß, wie er aussieht, die meisten hatten ihn schon einmal am Fuß. Man sieht ihn auf dem Sportplatz, in der Innenstadt, im Büro, manchmal sogar auf dem roten Teppich. Converse selbst hat ihn schon in verschiedensten Farben und Formen produziert und die legendäre Silhouette hat bei diversen Modehäusern wie Rick Owens oder Dior für ihre eigenen Sneaker Modell gestanden. Zwar ist dabei auch die Fallhöhe nicht allzu hoch, da sich ein Klassiker im Zweifel immer verkaufen wird. High-Fashion-Kollabos sind allerdings nicht als Anlass zum Geld scheffeln gedacht. Sie sind seltene Gelegenheiten, die eigene Welt, die eigene Designvision auf einem Schuh zu verewigen. Dabei innovativ zu sein und gleichzeitig den Puls der Zeit zu erwischen, ist gerade bei derartig oft gesehenen Silhouetten umso schwieriger. Insbesondere wenn man den Kunden davon überzeugen will, fast das doppelte, wie für einen normalen Chuck auszugeben.


Feng Chen Wang gelingt das dieses Jahr mit Bravour. Ihr Ansatz ist einer, den wir bei Converse-Kollabs in letzter Zeit seltener gesehen haben. Wo JW Anderson dem Chuck Taylor eine Hiking-Sohle verpasste oder Yoon Anh von Ambush aus ihm einen Gummistiefel machte, blieb Feng klassisch: Segeltuch und Gummisohle sind geblieben, auch die Form der Silhouette fasste sie nicht an. Stattdessen wählte sie doppeltes Layering, etwas, das sowohl zu ihrem aktuellen Signature-Look passt, als auch noch nie zuvor auf dem All-Star zu sehen war. Es sieht so aus, als wäre ein zweiter Chuck aufgeschnitten und auf den anderen geklebt worden. Sichtbare Aussparungen auf dem äußeren Teil verstärken diesen Eindruck. Das Konzept hat letztes Jahr bereits auf den beiden Nike x Sacai Releases gut funktioniert. Höhere Sohlen, zusammengesetzte Schuhe, doppelte Elemente. All dies schreit regelrecht "Designobjekt". Es gibt ihm das gewisse etwas, was ihn vom Standard unterscheidet. Was man diesem Schuh besonders zugutehalten muss, ist seine Natürlichkeit. Die Art und Weise, wie die obere Schicht scheinbar zerstört und der unteren hinzugefügt wurde, hat etwas sehr pragmatisch-bodenständiges. Man bekommt den Eindruck, als hätte jemand aus der Not heraus aus zwei kaputten Chucks, einen neuen erschaffen. Der Chuck auch als Schuh des kleinen Mannes. Er ist ein Designobjekt, aber kein Luxusprodukt und damit auch sehr gut für den Alltag geeignet, ohne overdressed auszusehen. Das reiht sich außerdem mühelos in Fengs Patchwork-Ästhetik ihrer aktuellen Kollektionen ein.

Der Schuh könnte aber auch für Entwicklung oder Wiedergeburt stehen. Der innere Teil, der aus seinem Kokon, dem äußeren Teil, ausbricht, und sein wahres Inneres zeigt. Das zeigt: egal wie oft man versucht, den All-Star zu verändern, zu entwickeln oder zeitgemäß zu machen, im Kern wird er doch immer der Klassiker bleiben, als der er bekannt ist. Beide Ansätze, diesen Klassiker zu feiern, sind beeindruckend und zeigen Fengs kreative Fähigkeiten. Die Auswahl der beiden Colorways, Schwarz-Weiß und Orange-Beige, ist solide. Schwarz-Weiß als schlichte sichere Variante und Orange-Beige kann auch im Herbst gerade zwischen den Erd- und Olivtönen ein Eyecatcher sein.


Overall eine sehr gute Kollaboration. Feng Cheng Wang schafft es durch ein innovatives, zu ihr passendes Design, das trotzdem die DNA des Schuhs beibehält, zwei wichtige Facetten des Chuck Taylor All-Stars hervorzuheben und in zeitlosen, wie zeitgemäßen Farben den aktuellen Modemarkt zu bereichern. Daher ist der Schuh für mich, besonders in Anbetracht der zwar zahlreichen aber im Vergleich eher mittelmäßigen internen Konkurrenz, bis jetzt definitiv der Converse-Schuh des Jahres, wenn nicht sogar ein Anwärter auf den besten Designer-Sneaker im allgemeinen.

Autor: Frederic Schnarr

Moubarak Assima

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