Der Lord of Darkness - Ein Kurzportrait des Modedesigners Rick Owens

Langes schwarzes Haar, blasse Haut, muskulös und komplett in schwarz gekleidet. So kennt man Rick Owens. Kaum ein anderer zeitgenössischer Modedesigner hat in den letzten Jahren so viele wichtige Trends geprägt, wie er.

Der Lord of Darkness - Ein Kurzportrait des Modedesigners Rick Owens

Langes schwarzes Haar, blasse Haut, muskulös und komplett in schwarz gekleidet. So kennt man Rick Owens. Kaum ein anderer zeitgenössischer Modedesigner hat in den letzten Jahren so viele wichtige Trends geprägt, wie er.

Langes schwarzes Haar, blasse Haut, muskulös und komplett in schwarz gekleidet. So kennt man Rick Owens. Kaum ein anderer zeitgenössischer Modedesigner hat in den letzten Jahren so viele wichtige Trends geprägt, wie er: luxuriöse Sportswear, Mainstream-Goth, monströse Schuhe und die Vereinigung von Kleidungsstück und Kunstobjekt.

Doch wer ist Rick Owens eigentlich? Rick Owens, bürgerlich Richard Saturnino Owens, wurde im Jahr 1962 als Sohn einer extrem religiösen und konservativen Familie in dem kleinen Städtchen Porterville in Kalifornien geboren. Auf Wunsch seiner Eltern besuchte er die Kirche und eine katholische Schule. Doch schon in jungem Alter entfernte sich Owens schnell von den elterlichen Dogmen und identifizierte sich mit der Glam Rock-Bewegung, hörte Kiss und David Bowie. Nach der Schule zog er nach LA und begann am Otis College of Art Kunst zu studieren. Doch weil er sich selbst nicht für intellektuell genug hielt, brach er nach vier Semestern ab und besuchte lieber das Trade Technical College, um designen zu lernen. Schnell fand er seine wirkliche Passion. Mode wurde zu seiner Ausdrucksform. Besonders die Arbeit mit Schnitttechniken hatte es ihm angetan. So kopierte er zunächst die Entwürfe von Versace oder Montana, um von ihnen zu lernen und seinen eigenen Stil zu entwickeln. Er fand Arbeit bei kleineren Sportwearlabels und lernte dort seine heutige Partnerin und Muse Michele Lamy kennen. Das außergewöhnliche Paar, das schon immer offen mit der Bisexualität Owens umging, eröffnete nach kurzer Zeit zusammen eine eigene Bar am Hollywood Boulevard. Diese entwickelte sich zu einem Treffpunkt, an dem die verrücktesten Konstellationen aus Punkern, Grungerockern, Goths und Transvestitkünstler zusammen feierten. Owens nutzte die Bar, um seine ersten Designs an den Mann zu bringen, wodurch der Geschäftsmann Charles Gallay auf ihn aufmerksam wurde. Gallay entschied sich dazu Owens Kollektionen zu kaufen und sie in seinem Store neben den Stücken von Margiela und Versace anzubieten.

1994 war es dann schließlich soweit. Rick Owens gründete mit 32 Jahren sein eigenes und nach ihm benanntes Label. Die ersten Jahre waren jedoch noch von keinem großen Erfolg geprägt. Zunächst verkaufte Owens seine Kollektionen an verschiedene Kaufhäuser. Der große Durchbruch war allerdings fern. Es sollte noch bis zum Jahr 2001 dauern, bis er mit schlappen 39 Jahren endlich Ansehen für sein Talent erhielt. Ein Schnappschuss von Kate Moss, die in der Pariser Vogue eine Jacke der Brand trug, bescherte dem Designer schließlich einen großen Erfolgsschub und machte ihn in der Modebranche bekannt. Vogue Chefredakteurin Anna Wintour wurde auf Owens aufmerksam und machte es ihm möglich im Jahr 2002 mit seiner Runway-Collection auf der New York Fashion Week zu debütieren. Im selbigen Jahr wurde der Designer vom Council of Fashion Desigerns of America (CFDA) sowohl mit dem New Talent Award als auch dem Perry Ellis Award for Emerging Talent ausgezeichnet. 2003 nahm Rick Owens dann seine erste große Anstellung als Artistic Director bei französischen Fell- und Luxushersteller Revillon an. Er kehrte seinem ausschweifenden und von exzessiven Partys geprägten Leben in Kalifornien den Rücken zu und zog nach Paris, wo er sich im Rahmen eines Klinikaufenthaltes seiner Alkoholsucht stellte. Fortan konzentrierte er sich nur noch auf seine Ehe, seine Mode und seine Gesundheit - und das sollte sich für den Designer lohnen.

Im Jahr 2007 wurde seine Arbeit wiederum mit zwei Preisen geehrt: dem Rules Breaking Award der Fashion Group International und dem Cooper-Hewitt National Design Award. Heute ist Owens nicht mehr bei Revillon angestellt. Mittlerweile arbeitet er an seinen eigenen fünf Modelinien für Damen und Herren. Owens besitzt außerdem eine Accessoirelinie, eine Schuhkollektion und designed seit 2009 zudem Möbel. 2017 erhielt er den renommierten Lifetime Achievement Award und erst letztes Jahr wurde er zum Menswear Designer des Jahres ernannt. Neben Kollaborationen mit adidas und Eastpak entwarf er in den Jahren 2018 und 2019 für Birkenstock Schuhe.

Die Mode von Rick Owens erinnert dabei teils an die Lederkultur der 70er und 80er. Die Homosexuellen- und Goth-Szene musste sich damals ihre eigene Welt schaffen, die von Angst, Gewalt und Intoleranz geprägt war. Owens fühlte sich schon immer Menschen verbunden, die unterdrückt und bedroht werden und sich dagegen wehren. So ist sein Stil zwar düster, es geht ihm dennoch um Freundlichkeit und Trost. Der Designer hält nichts von Vorschriften, die definieren, wie man auszusehen hat. Mit seiner Mode will er diverse Formen von Schönheit aufzeigen. Ihm liegt es am Herzen positive Gefühle und Impulse hervorzurufen, die für Veränderbarkeit und Toleranz stehen. Owens ist ein Rebell und ebenso rebellisch sind seine Designs. Als extravaganter Außenseiter provoziert er gerne mit dem Extremen. Die Farbpalette der Brand ist einfach gehalten: Schwarz, Weiß , Beige und Grau dominieren. Die Materialien sind edel. Leder, Pelz, Seide oder Kaschmir werden durch oft asymmetrische Schnitte, offene Säume und drapierte Silhouetten in Szene gesetzt. Teilweise wirken die Designs fast willkürlich. Eben für diese Mischung aus Eleganz und einem Hauch von Schlampigkeit steht die Brand. Zudem ist Owens ein körperbesessener Sportsüchtiger. Er trainiert fast jeden Tag und steht sogar offen dazu, dass er etwas mit Anabolika nachhilft. Diese Kombination aus Provokation, Extravaganz, Goth-Kultur und Körperfanatismus lässt die Designs von Rick Owens fast wie eine Metapher seiner Biographie erscheinen und macht ihn zu dem Begründer eines eigenen Modegenres. Seine Mode ist das, was man heutzutage gerne als Athleisure bezeichnet: körperbetont und sportlich, aber in ihrem Ursprung tief avantgardistisch und auf gewisse Weise sogar politisch.

Autor: Nicolai Klinger

Moubarak Assima

Creator & Stylist Creative ideas for @nofaithstudios Manage things @fabricsoverfriends Represented by @noinfluence.today Editor @title

More posts from this author

Great! You've successfully subscribed.
Great! Next, complete checkout for full access.
Welcome back! You've successfully signed in.
Success! Your account is fully activated, you now have access to all content.