Die Powerfrau mit Attitüde - Das Interview mit Alyssa

Wir leben in einer Deutschrap-Ära, die noch nie so groß und divers war wie zuvor. Viele wollen ihren Platz in der Szene sichern, und somit den verbundenen Erfolg, der einem vor die Füße geworfen wird.

Die Powerfrau mit Attitüde - Das Interview mit Alyssa

Wir leben in einer Deutschrap-Ära, die noch nie so groß und divers war wie zuvor. Viele wollen ihren Platz in der Szene sichern, und somit den verbundenen Erfolg, der einem vor die Füße geworfen wird.

Wir leben in einer Deutschrap-Ära, die noch nie so groß und divers war wie zuvor. Viele wollen  ihren Platz in der Szene sichern, und somit den verbundenen Erfolg, der einem vor die Füße geworfen wird. Viele junge Künstler laden ihre Musikvideos hoch, um ihren träumen ein Schritt näher zu sein, als zuvor. Die Underground-Szene war noch nie so breit und vielfältig. Dabei muss man auch gestehen, dass die Underground-Szene viel weiter voraus ist, als die Mainstream-Bewegung. Meistens hört sich alles gleich und monoton an. Man lässt sich von dem großen Bruder inspirieren. Damit meine ich den US-Markt. Gefühlt ist es nur eine schlechte amerikanische Version, die ins deutsche übersetzt wurde.

Jegliche Kreativität geht dabei verloren, wobei es einige gibt, die auf dem Königsstuhl der deutschen Mainstream Musik sitzen und verstanden haben, wie das Rap Game funktioniert. Aber kommen wir zu einer Persönlichkeit, die in den Underground-Gewässern schwimmt, und vor kurzem ihren ersten Song Neu veröffentlichte. Im interview gestand sie ebenfalls, dass sie glücklich darüber war, als der Song rauskam, weil es wie eine Last war, die von ihren Schultern genommen wurde. Mit „Neu“ ist damit nicht nur die erste Single gemeint, sondern, dass sie jetzt einen neuen Pfad für sich gefunden hat. Einen Pfad, wo es darum geht nach ihren träumen zu greifen, egal was sich ihr in den Weg stellt. Die EP Neu von Alyssa ist nun auf jeglichen Streaming-Platformen Verfügbar. Hört rein.


Die Powerfrau mit Attitüde - Das Interview mit Alyssa

Hey Alyssa - wie geht’s dir? Lange nicht mehr gesehen. Um genau zu sein sehen wir uns auch heute erst zum zweiten Mal. Aber stelle dich doch erstmal den Leuten vor und erzähle ihnen was du machst.

Mir geht’s gut danke - ich hoffe dir auch. Erstmal Dankeschön, dass du mich für das Interview eingeladen hast. Schöne Location. Als ich reinkam habe ich direkt gemerkt, dass die Energie hier stimmt. Aber kommen wir zu mir. Mein Name ist Alyssa. Ich mache Musik, aber ich sehe mich jedoch als Künstlerin, da noch viel außer der Musik mitspielt. Kunst im allgemeinen. Fashion, Tanz, Schauspiel. Es geht darum was zu kreieren - in eine Rolle reinzuschlüpfen und nicht ständig ein Individuum sein zu müssen. Um es an der Stelle kurz zu machen: Ich bin eine Künstlerin.

Wie kam es dazu, dass du dich entschieden hast Musik zu machen? Was war der Auslöser?

Wie fang ich am besten an. Hip-Hop war schon immer meine große Liebe. Es hat im Schulhof angefangen das Leute freestylten und ich es mitbekam. Die ganze Dynamik dahinter hat mich fasziniert. Der Austausch. Man hat eine Konversation geführt. Die Art und Weise wie man es künstlerisch verpackt hat, hat mir sehr gut gefallen. Und dadurch, dass bei uns Zuhause durch meine Eltern Hip-Hop Musik lief, wurde ich passiv damit konfrontiert. Mein Onkel zeigte mir auch viel Hip-Hop Musik. Dann fing es an, dass ich mich mich Hip-Hop mit beschäftigt habe.

Aber bevor ich mit Musik anfangen habe, habe ich Gedichte geschrieben. Irgendwann habe ich dann ein Video gepostet, wo ich song von Notorious BIG gesungen habe. Ich glaube das war One More Chance. Das habe ich an seinem Todestag gesungen. Ich nahm es auf und habe es anschließend auf Instagram hochgeladen. Zuvor wusste aber noch niemand das ich singe. Ich bin sozusagen ins kalte Wasser gesprungen, aber es kam gut an. Im Anschluss schrieb mir auch ein Producer. Das war ein Homie von mir mit dem ich zur Schule ging. Er schickte mir ein paar Beats und meinte, dass ich mal vorbeikommen soll, damit wir was aufnehmen können. Die Gedichte wurden zu Songtexten. Das ist mittlerweile 5-6 Jahre her. Seitdem gehe ich ins Studio und mache professionell Musik.

Wer inspiriert dich?

Kennst du das, wenn man sich auf die Frage vorbereiten möchte, aber man trotzdem nicht genau sagen kann, wer einen inspiriert, hahaha. Ich kann nur dazu sagen, dass mich viele inspirieren. Notorious BIG ist mein Lieblingsrapper, und an ihm inspiriert mich sein komplettes auftreten. Seine Präsenz und sein Stil. Sowohl sein Klamotten-Stil als auch sein Rap-Stil. Lil Kim inspiert mich - Alicia Keys inspiriert mich. Aber mich inspirieren nicht nur Musiker, sondern Künstler. Andy Warhol und Basquiat inspirieren mich ebenfalls. Ich liebe es einfach bunte Farben zu sehen. Farben lösen in mir was bestimmtes aus. Ich habe dann das Gefühl diesen Ausdruck in mir in irgendwas kreatives übertragen zu müssen. Schlussendlich sind es viele Dinge, die mich inspirieren. Aber du meintest du  „wer“ mich inspiriert, und da konnte ich dir einige aufzählen. Es ist eine schwierige Frage.

Wie lange machst du schon Musik?

Seit 5-6 Jahren mache ich aktiv Musik, aber zuvor habe ich nur für mich gesungen. Nichts spektakuläres.

Was ist dir bei deiner Musik, die du machst besonders wichtig?

Das ein Vibe entsteht. Es muss ein Gefühl auslösen. Meine Musik muss nicht jedem gefallen, aber ich möchte, dass sie in Menschen was auslöst. Sei es was Gutes oder was Schlechtes. Erinnerungen zum Beispiel, an die man seit längerem nicht gedacht hat. Meine Musik ist aber dazu da, dass sie andere Menschen inspirieren soll. Es ist auch extrem wichtig, dass sie authentisch ist und echt ist. Man sollte zu meiner Musik tanzen können. Am Ende des Tages möchte ich mit meiner Musik jedem was mitgeben können.

Wie läuft eine Studio Session bei dir ab, das man am Ende des Tages ein fertiges Endprodukt hat, mit dem man Zufrieden ist?

In meinem Leben bin ich bereits durch verschiedene Studio-Phasen gegangen. Früher bin ich nach Friedberg gefahren, um meine Musik aufzunehmen. Dort hatte ich 1-2 Takes und musste mich mit dem zufrieden geben, was ich hatte. Es waren meistens gute Takes, da mich der Engineer gut recorded hat. Dadurch habe ich ein gutes Selbstvertrauen bekommen, was meine Takes angeht. Aber im Laufe der Zeit lernt man neue Leute kennen. Ich bin sehr dankbar um die neuen Gesichter um mich herum. Sie haben mir nochmal eine neue Perspektive des Recordings gezeigt. Allgemein Dinge zu kreieren. Dinge festzuhalten. An der Stelle ein Shoutout an Sunny Bizness. Eine ganz neue Welt des Recordings hat sich für mich geöffnet. Um auf die Frage zurückzukommen. Ich suche mir einen Beat auf den ich Bock habe und summe erstmal ein paar Melodien ohne Wörter vor mich hin. Wenn ich die passende Melodie habe überlege ich mir ein Thema und dann folgen die Lyrics. Ganz simple.

Dann wird recorded. Ähnlich wie beim kochen. Man kocht solange bis das Essen fertig ist, und dann gibt man mit seinem eigenen Zauber den Geschmack dazu bis es schmeckt!

„Neu“ ist ja deine erste Single und somit der erste Track überhaupt, der online von dir ist. Was hast du dir bei dem Song gedacht, als du ihn gemacht hast und dir klar wurde, dass es dein erster veröffentlichter Song sein wird? Hat er eine spezielle Bedeutung für dich?

Auf jeden Fall hat er eine spezielle Bedeutung für mich. „Neu“, ist ein sehr dehnbarer Begriff, den jeder für sich selbst interpretieren kann. Der Track ist mittlerweile zwei Jahre alt und war einer meiner Ersten. Als er rauskam war es wie eine Last die mir aus Schultern genommen wurde. Ich war wirklich Froh als er rauskam. Vor allem auch mit einem Musikvideo dazu. Die Resonanz, die kam war zwar auf den Song bezogen, aber auch auf die Kunst im allgemeinen. Die kompletten Visuals.

Wie der Song-Name schon verrät habe ich zu dem Zeitpunkt ein Neue Person kennengelernt, als ich dachte, dass ich über die alte Person nicht hinwegkommen würde. Aber als  die Person in mein Leben trat, habe ich alles andere vergessen. Deswegen auch die Line: „alles was ich bisher hatte, zählt für mich streng genommen nicht“.

Wie motivierst du dich jedes Mal neue Musik zu machen? Weil es ja heutzutage nicht so mehr einfach ist wahrgenommen zu werden. Der Markt ist ziemlich übersättigt. Tag für Tag sieht man neue Newcomers aus dem nichts in den YouTube Trends.

Was mich motiviert ist mein eigenes Potenzial. Ohne eingebildet dabei zu klingen. Ich bin auch überzeugt davon, dass wenn ich hart an mir selbst arbeite, dass man dieses Potenzial sehr schön rüberbringen kann. Das ist das, was mich von den Anderen abhebt. Das ist meine Motivation, da ich weiß, was in mir steckt. Ich will natürlich auch meine Freunde und meine Familie stolz machen - ich will auch davon leben können. Menschen helfen. Musik ist nicht nur Geldmachrei, sondern Therapie. Du kannst den Tag von jemanden bereichern. Man kann Menschen retten die eventuell Selbstmord gefährdet sind. Es sind viele Movitationsgründe. Vor allem spirituelle.

Wer sind deine deutschen  Lieblingskünstler, die man auf dem Radar haben sollte?

Man sollte auf jeden Fall Kana & Mavie im Schirm haben. Die beiden Künstler aus Bamberg. Ramzey aus Frankfurt. Die komplette Soutffside Gang. Ich bin sehr viel in der Underground-Szene unterwegs. Wenn ihr auf jeden Fall auch im Radar haben solltet ist ein Homegirl von mir. Poussey heißt sie. Sie macht das mit sehr viel Liebe. Poussey ist viel in der Underground-Szene unterwegs, aber ist immer auf dem neusten Stand. Das war’s erstmal von meiner Seite aus mit den Empfehlungen.

Hast du bereits schlechte Erfahrungen in der Musikbranche gemacht? Da sie ja überwiegend von Männern dominiert wird. Mich würde deine Sicht der Dinge interessieren.

Schlechte Erfahrungen habe ich bis jetzt noch nicht gemacht. Da kann ich von Glück sprechen. Ich kenne aber andere Homegirls, die Aufgrund ihrer Sexualität ausgenutzt worden sind. Eine Studio Session wurde zu einer „kennenlernen Session“. Die wahre Intension bleibt auf der Strecke. Aber es kommt aber auch stark auf einen selbst an, mit was für einer Denkweise man in eine Studio Session geht. Natürlich kommt es auch darauf an, mit was für Leuten man zusammenarbeitet. Man muss den Leuten klar und deutlich machen, für was man steht. Wer mit dieser Meinung nicht übereinstimmt, mit dem kann man dann einfach nicht zusammenarbeiten.

Die einzig schlechte Erfahrung, die ich mitbekam sind Ego-Probleme. Viele nehmen Kritik viel zu schnell persönlich, und können Privates und Arbeit nicht differenzieren. Am Ende des Tages geht es um die Kunst. Man möchte ein gutes Projekt erschaffen. Und da es völlig normal Dinge zu bemängeln und Kritik auszuüben. Damit kommt nicht jeder zurecht.

Wie würdest du deine Musik beschreiben?

Das ist eine sehr gute Frage über die ich noch nicht nachgedacht habe. Ich würde sagen meine Musik ist sehr eigen. Sie zeigt Elemente auf vom Hip-Hop auf und ist sehr stimmig, lyrisch, poetisch und wild. Soul ist auch ein fester Bestandteil, der in meiner Musik miteinfließt. Und da ist es egal ob ich auf einem Rock-Beat Rappe oder was auf einem alternativen Beat. Ein paar Spuren von Soul sind immer dabei. Meine Musik ist vielfältig.


Wenn du in der Musikbranche was ändern könntest, was wäre es?

Ich würde nicht jedem eine Chance geben. Es ist cool, dass jeder seine eigene Platform haben darf. Aber ich würde nur den Leuten eine Chance geben, die es auch wirklich draufhaben. Dadurch, dass jeder eine eigene Platform haben darf, nimmt es den Raum für viele, die es wirklich verdient haben, die Qualität auf den Markt bringen. Momentan gibt es einfach viel zu viel Schrott. Ich würde es mir wünschen, dass es ein Filter geben würde. Wie früher, dass man gut sein musste, um im Game zu sein.

Danke für das Interview - danke, dass du von Frankfurt nach München gefahren bist, um das mit mir Persönlich zu führen.

Gerne, gerne. Ich danke dir für die Einladung.

Autor: Moubarak Assima / Fotos: Moubarak Assima

Moubarak Assima

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