Die Stunde schlägt Null - Das Interview über MIDNIGHT mit Can Demirezen

Ende 2016 wurde das Streetwear Label MIDNIGHT von Can Demirezen in Mönchengladbach gegründet. Er bedruckt jedoch keine 0815 T-Shirts mit leblosen Prints

Die Stunde schlägt Null - Das Interview über MIDNIGHT mit Can Demirezen

Ende 2016 wurde das Streetwear Label MIDNIGHT von Can Demirezen in Mönchengladbach gegründet. Er bedruckt jedoch keine 0815 T-Shirts mit leblosen Prints

Ende 2016 wurde das Streetwear Label MIDNIGHT von Can Demirezen in Mönchengladbach gegründet. Er bedruckt jedoch keine 0815 T-Shirts mit leblosen Prints; jedes der Pieces ensteht durch Handarbeit und wird somit zum Unikat. Hierfür verwendet er das eigens erlernte Siebdruckverfahren und bedient sich jedoch auch moderner 3D Drucktechnik und produziert ebenfalls davon geprägte Produkte.

Bevor das Konzept MIDNGHT Form annahm, malte Can vorerst. Als er 2015 in der Saatchi Gallery war wurde ihm bewusst, wie sehr in Kunst in seiner Gesamtheit faszinierte. Mode wollte er bereits immer irgendwie machen, nur wusste er nicht wie er Anklang finden sollte. Die Ausstellung fühlte sich für ihn wie eine Offenbarung an. Mit seinen fertigen Werken und ersten Bildern nahm er an diversen Ausstellungen teil, bis er sich langsam dazu entschloss sein erstes handmade Piece zu kreieren. Es begann mit einer customized Jeansjacke, die anschließend von Levis Germany auf Instagram geteilt wurde.

Ende letzen Jahres kooperierte er mit dem renommierten Modehaus MCM. Im Zuge wurde eine Capsule Collection mit selektierten handcrafted Pieces released, die kein geringerer als Can selbst erschuf.

MIDNGHT, ist kein weiteres massentaugliches Streetwear Label, welches am Zahn der Zeit nagt, sondern mit voller Hingabe und Leidenschaft arbeitet. Jedes Piece wird aus erster Hand selbst kreiert. Insofern ist die Produktion fair und transparent. Can arbeitet jeden Tag, um seinem Traum etwas näher zu kommen. Wie hart arbeitet ihr dafür?

Die Stunde schlägt Null - Das Interview über MIDNIGHT mit Can Demirezen

Can, wie geht’s dir? Bist du gut durchs neue Jahr gekommen? Noch wichtiger: hattest du einen schönen Geburtstag?

Hey Moubsen, mir geht es soweit ganz okay bzw. soweit es einem gehen kann in solch einer Zeit. Das Jahr 2020 hatte viele Höhen und viele Tiefen und es war dazu noch eine sehr, sehr anstrengende Zeit, die ich eigentlich hätte erstmal verarbeiten müssen. Aber die Geschwindigkeit dessen was man Ambition, Trieb und Zeit nennt hält einen davon ab und so fokussiere ich mich voll und ganz, wie im letzten Jahr auf das Ziel, das meine Brand durch diese unruhige Zeit kommt. Mein Geburtstag konnte ich natürlich nicht ausgelassen feiern, aber das wird nachgeholt :)

Bitte stelle dich doch den Lesern vor, und erzähle ihnen über deine Arbeit.

Mein Name ist Can Demirezen ich bin der Gründer von Midnight. Ich habe die Brand Ende 2016 gegründet und bin mich seit dem stetig am Entwickeln und Wachsen. Der Fokus lag von Anfang auf organischem Wachstum. Slow Fashion, Handcrafted Fashion und stetige Weiterentwicklung der Produkte. So habe ich anfangs erstmal mit Transferdruck gearbeitet und mir dann das Siebdruckverfahren beigebracht. Nun versuche ich mich an meine eigenen ersten Schnitten und auch sonst habe ich Techniken, wie das Implementieren von 3D gedruckten Elementen in die Modewelt, zu beherrschen gelernt. Ich drucke alles per Hand und versuche alles so weit es geht per Hand zu nähen. Dazu habe ich eine Näherin die mir bei komplizierten Sachen hilft, wo ich nicht das Knowledge habe. Auf Instagram nehme ich die Leute immer mit und versuche so transparent wie möglich zu sein, in dem ich meine Arbeit zeige und die Menschen mit auf diese Reise nehme. Im Grunde es ist auch ein Movement geworden, weit weg von der Fast Fashion Industrie. Es hat sich zu was Besonderem etabliert. Kleidung mit Herz, die mit einer bestehenden Community zusammen wächst.

Warum hast du dich für den Namen „MIDNIGHT“ entschlossen? Gibt es einen genauen Bezug dazu oder hast du dich aus reinem Affekt für diesen Namen entschieden?

Der Name Midnight ist so entstanden, dass ich als DJ in einem Technogeschäft hier in Mönchengladbach aufgelegt habe und immer gesehen habe, dass sich um "Mitternacht" die Menschen im Club immer veränderten. Beispielsweise ein Familienvater, der mal eine Nacht Pause von seinem Alltagsstress hat und beim feiern komplett am Rad dreht.  Oder introvertierte Menschen, die ich kenne, die sich komplett dem Flow des Nachtlebens anpassen und sich fallen lassen. Das war das romantische am Nachtleben. So etwas zu sehen und zu spüren, dass man nicht die einzige Person ist, die Nachts ihr Wesen ändert. Deswegen habe ich das "Midnight Face" gemalt. Das soll nochmal die Bedeutung unterstreichen.

Wie bist du auf die Idee gekommen Mode zu machen? Was war der Auslöser dafür?

Mode wollte ich schon immer machen. Nur wie und was genau Stand noch nicht fest. Als ich dann 2015 in London in der Saatchi Gallery war wurde mir bewusst, wie sehr ich Kunst liebe, und wie sehr ich das kreative Schaffen liebe. Also den Prozess dahinter. So begann ich erstmal zu malen und hatte erste Ausstellungen. Danach hat sich die Idee mit MIDNIGHT langsam rauskristallisiert. Ich habe dann anfangs auf Jeansjacken gemalt diese dann auf Instagram gepostet und als mich Levis Germany dann geteilt hat, habe ich gemerkt das meine Kunst anklang findet.

Jedes einzelne Piece, das du kreierst ist handmade und somit ein Unikat. Warum benutzt dieses Verfahren? Warum legst du dir keinen Produktionspartner zu, der dabei hilft größere Stückzahlen zu produzieren?

Nun ich denke das wir so wie es läuft derzeit nicht weiter machen können und sollten. Ich mag auch die Handarbeit, es macht mir Spaß die Sachen zu bedrucken. Natürlich habe ich mir Gedanken dazu gemacht, dass wenn es immer mehr wird ich entweder ein Limit setze oder ich jemanden einstelle der mit mir die Sachen bedruckt. Mir ist das wichtig den Menschen dort draußen und besonders in Deutschland zu zeigen, dass es auch fernab vom Mainstream Möglichkeiten gibt, und es nicht nur immer diesen einen Weg gibt. Dazu kommt das bei uns jede Kollektion aus einem Hauptthema besteht. Jeder Print eine andere Story. Sprich die ganze Kollektion erzählt eine Geschichte. Diese Storytelling wäre ohne Seele, wenn man die Sachen auf Masse produzieren lassen würde.


Du machst nicht nur Mode. Du startest Events, kuratierst einen Blog, machst einen Podcast und bringst Menschen in jeglicher Hinsicht zusammen. Für was steht MIDNIGHT? Wie wichtig ist dir die Community?

Mir ist es auch wichtig durch meine Mode Menschen zusammen zu bringen. Menschen, die keine Stimme haben hier in diesem Land oder Umfeld, eine Stimme zu geben! All das kombiniere ich durch meine Events – wenn man die Midnight Box sieht haben wir meistens Underdogs die noch nicht bekannt sind denen wir eine Plattform bieten. Es waren auch bekanntere Künstler hier, wie die Leute von 16 Bars oder Mortel. Wir haben auch z. B. eine Blockparty geschmissen, sprich eine Art Festival. Leider konnten wir das 2020 nicht wiederholen. Der Online Blog und der Podcast dienen immer als Verdeutlichungen unserer Designs. Denn jeder Print und jedes Design hat eine Story und wir nutzen diese Medien, um den Menschen, die dann ein Piece erwerben, die Hintergründe dazu zu erläutern. Deswegen ist der Community Aspekt, neben der stetigen Weiterentwicklung bei Midnight ein großer Faktor.


Du warst bereits in etlichen Städten, um deine Brand bekannt zu machen. In London, Paris, Amsterdam und in Berlin organisiertest du Pop-Up-Stores, wo du anschließend deine Produkte verkauft hast. Wie war die Erfahrung für dich im Ausland deine Produkte zu vermarkten? Was konntest du für dich persönlich mitnehmen?

Ich glaube wir müssen den Modemarkt anders betrachten als wir das jetzt tun, besonders in Deutschland. Natürlich sind meine Erfahrungen in anderen Städten / Ländern anders als in Deutschland. Betrachten wir mal nur den englischen Markt. Als wir den Pop-up Store dort hatten und wir 10 Handbemalte / gedruckte Hoodies dort austellten und die für 60 Pfund verkauften, haben wir die innerhalb von einem Tag verkauft bekommen. Die Menschen kannten uns nicht, kannten die Marke nicht, aber was sie verstanden, war meine Arbeit. Sie haben meine Arbeit zu 100% begriffen, und das war der Unterschied. In Deutschland ist es leider so, das Vieles, was die Modewelt derzeit prägt nicht verstanden wird oder zumindest noch nicht angekommen ist.

Wie ist die Kreativ-Szene in Mönchengladbach? Bei uns in München gibt es momentan einige Leute, die motiviert sind ihr eigenes Ding zu machen. Triffst du auf viele gleichgesinnte Leute in deinem Umfeld?

Die kreative Szene in Mönchengladbach bezüglich Textilien würde ich als Jung betiteln. Klar wir waren wir früher das "Manchester" Deutschlands, weil hier mit Krefeld eines der größten und wichtigsten Standorte für die Textilproduktion in Deutschland stand. Aber die Kreative Szene bezüglich Kleidung ist relativ jung und es gibt eine Entwicklung, die ich gewissermaßen als positiv betrachte.


Da du handmade Pieces machst, ist jedes Kleidungsstück besonders auf seine eigene Art und Weise. Ich kann mir gut vorstellen, dass du auch Auftragsarbeiten erledigst. Hast du bereits für diverse Künstler Klamotten designed?

Ich bin Designer und Künstler und empfinde den begriff der Dienstleistung in diesem Bereich für abwertend. Aber durch meine Leistung bin ich mit dem Ein oder Anderen Künstler in den Kontakt gekommen und habe für Künstler wie Badchieff ein Piece kreiert. In dem Fall war es eine Hose für sein Musikvideo Diamonds. Natürlich habe ich für viele andere Artists auch Pieces designed, aber es würde den Rahmen sprengen, all die Künstler aufzuzählen. Ich bin derzeit eher ein Geheimtipp. :)

Durch Recherchearbeit habe ich erfahren, dass du keine Eltern hast, was mir wirklich leid tut. Deine Großeltern haben dich großgezogen. Was haben sie dir auf deinem Weg mitgegeben?

Meine Eltern kamen wie viele Türkische Einwanderer als Gastarbeiter nach Deutschland. Sie haben immer zu mir gesagt, wenn ich rassistisch behandelt worden bin, dass die deutschen nicht rassistisch sind, sondern Angst vor was Neuem haben. Im Endeffekt stimmt das auch. Allein durch die Mode. Meine Oma lebt zum Glück noch. Sie ist stolze 80, und ich kümmere mich um sie, da meine Eltern mich ausgesetzt haben, ist sie mein Mutterersatz gewesen. Sie hat mir beigebracht immer straight die Wahrheit zu sagen. Egal welche Konsequenzen danach folgen sollten.

Ende letzten Jahres konntest du einen großen Erfolg eintüten. Du hast mit MCM kooperiert. Einer der bekanntesten Designerbrands überhaupt. Wie kam es dazu, dass das Modehaus eine Kooperation mit dir anstrebte?

Nun ich will nicht all zu sehr ins Detail gehen, aber diese Zusammenarbeit hat mir gezeigt, was ich als Designer und Besitzer einer Brand besser machen kann. Die Story, wie das ganze entstanden ist, ist so lang und komplex, dass wir das am besten Mal bei einem Bierchen besprechen sollten haha.

Covid-19 beeinträchtigt unseren Alltag extrem. Viele Leute fallen deshalb in eine Depression. Wie motivierst du dich in dieser jetzigen Notlage, um dein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren?

ich glaube, was wichtig in solch einer Zeit ist, ist die mentale Kraft und sein Ziel immer vor sich zu haben. Manchmal habe ich so starke Schulter Schmerzen vom Drucken oder Nähen, dennoch besiege ich jeden Tag meinen inneren Schweinehund. Das Leben ist hart, wie jeder weiß, aber was nicht jeder weiß, ist wie man immer wieder aufsteht. Ich habe das durch mein Leben schmerzlichst erfahren und kann gut damit umgehen und mich motivieren.

Das Interview nimmt hiermit ein Ende. Es hat mich wirklich gefreut, dass es nun mit dem Talk geklappt hat. Möchtest du der Jugend noch irgendwelche Schlussworte mit auf dem Weg geben?

Bleibt Real, hinterfragt manche Sachen und educated euch.

Autor: Moubarak Assima

Moubarak Assima

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