Dr.Martens x Jean-Michel Basquiat: Eine gelungene Kollektion?

In meinem letzten Artikel habe ich über Leben und Wirken von Jean-Michel Basquiat geschrieben, einem der Künstler des 20. Jahrhunderts. Wer diesen Einblick in seine Welt verpasst hat, kann das hier (link für basquiat 1 einfügen) nachholen.

Dr.Martens x Jean-Michel Basquiat: Eine gelungene Kollektion?

In meinem letzten Artikel habe ich über Leben und Wirken von Jean-Michel Basquiat geschrieben, einem der Künstler des 20. Jahrhunderts. Wer diesen Einblick in seine Welt verpasst hat, kann das hier (link für basquiat 1 einfügen) nachholen.

In meinem letzten Artikel habe ich über Leben und Wirken von Jean-Michel Basquiat geschrieben, einem der Künstler des 20. Jahrhunderts. Wer diesen Einblick in seine Welt verpasst hat, kann das hier nachholen. Doch nicht nur ich habe mich anlässlich seines diesjährigen 60. Geburtstags seinem Vermächtnis gewidmet, auch Dr. Martens hat dieses Jahr eine Kollektion rund um seine Werke auf den Markt gebracht. Das Kreativ-Team des englischen Schuhherstellers, deren Geschichte wir in diesem Artikel (klick hier) erzählt haben, hat im Rahmen der Kollektion 3 Paar Schuhe designed: Einen 1460 Boot, einen 1461 Halbschuh und ein Kindermodell. Auf jedem der 3 Modelle ist ein anderes Bild verewigt, welches jeweils eine andere Facette von Basquiats Stil repräsentiert. Dieser lässt sich kurz und knapp als neo-expressionistisch, also bunt, chaotisch und ausdrucksstark, zusammenfassen. Es lassen sich außerdem viele für Basquiat typische Motive wiedererkennen.

Die Krone ist von diesen das prominenteste Motiv, welche auf dem Kinderschuh und beim Boot gekonnt auf dem Obermaterial zu sehen und bei jedem Modell zusätzlich auf dem Lacetag vorhanden ist. Das Motiv ist sehr simpel gehalten. Keine Verzierungen, keine außergewöhnliche Form. Gezeichnet wie von einem Kleinkind. Die Krone repräsentiert Basquiats erfüllten Wunsch, in der Welt für seine Kunst anerkannt zu werden. Nicht für seine ausgefallenen Statussymbole oder ähnliches, nur der Wunsch eines Künstlers nach Wertschätzung für seine Leidenschaft. Daher die einfache Form und der kindliche Stil der Krone. Der Tyrannosaurus Rex, der diese Krone auf dem Motiv des Kinderschuhs trägt, soll diese Wirkung unterstreichen: Er, der König der Kunstszene, wie der T-Rex als unangefochtener König der Dinosaurier, der sich mit seiner Kunst in Form der Krone schmückt. Der kleine Junge, der sich seinen kindlich-naiven Traum als Erwachsener erfüllt hat und seine Vorstellung, die er als Kind hatte, zum Leben erweckt.

Auf dem 1460 erstreckt sich das Cover des von Basquiat produzierten Songs Beat Bop von Rammelzee und K-Rob über den Schuh. Das zeigt einerseits die musikalische Seite Basquiats auf, der in seiner frühen Schaffenszeit auch in einer Band Synthesizer und Klarinette gespielt hatte.

Andererseits ist die gekritzelte, skizzenhafte Technik ein Markenzeichen von Basquiat. Sie beschreibt seine Sicht auf die Welt und wie er sie in der Kunst umzusetzen wusste. Seine Welt als Skizze der echten Welt, die es dem Betrachter überlässt, wie viel davon Fiktion und wie viel Realität ist. Die kleinen Notizen und Symbole sind ebenfalls häufig zu finden. Basquiat nannte sie Facts. Mal simple Fakten oder Kommentare zum Thema des Bildes, eine Beschreibung des Motivs oder auch eine politische Botschaft. Die direkteste Kommunikation zum Betrachter und wahrscheinlich auch eine Anspielung an seine SAMO©-Zeit, die er nie ganz aufgab und so in seine neue Kunst integrierte.

Das für Basquiat charakteristischste Werk der Kollektion lässt sich jedoch auf dem 1461 Halbschuh entdecken: Die Dustheads aus dem Jahr 1982. Bei diesem asymmetrischen Design ist auf dem rechten Schuh der rot-grüne und auf dem linken der gelbe der namensgebenden Köpfe abgebildet. Sie symbolisieren die beiden Seiten des Drogenkonsums, der in Basquiats Umfeld und auch bei ihm selbst ein fester Bestandteil des Lebens war. Der rot-grüne Freude, Aufregung und Glücksgefühle, und der gelbe die innere Leere danach. Wahrscheinlich Situationen, die Basquiat im eigenen Umgang mit Drogen, aber auch allgemein in seiner Karriere in Form seines Erfolgs, dem der allgegenwärtige Rassismus und Erfolgsdruck im Wege stand, erlebte. Dieser Kontrast wird auf dem Schuh durch gelbe Markierungen an den Ösen, einmal in der oberen Reihe und einmal in der unteren, deutlich.

Auch stilistisch sind die Dustheads für Basquiat typisch: Viele von Basquiats Bildern, so auch dieses, stellen menschliche Köpfe sehr schädelartig dar - wir erinnern uns an das Anatomie-Buch, das er als Kind bekommen hatte. Weitere Quellen für derartige Designs lassen sich durch den Voodoo-Kult Haitis, dem Herkunftsland seines Vaters, erklären. Das kombiniert er mit seiner am häufigsten genutzten Technik: Gekritzelte und heruntertropfende bunte Linien, mit denen die beiden Figuren übersät sind. Das lässt sich in noch stärkerer Form unter anderem bei Untitled (Head) von 1982 und Untitled (Skull) von 1982 erkennen, bei denen die Gesichter fast nur aus den wie wild aneinander gereihten Strichen bestehen. Fast wie ein Kind, das aus Protest über die Linien ausgemalt hat. Die Gesichter werden dadurch verzerrt, fast entstellt. Verschiedene sich überschneidende Farbschichten stehen für die tiefe Verankerung wie die Überladung von zurückgehaltenen Emotionen, die nun alle auf einmal herausgelassen werden. Als würden sie überfließen und sich auf das Motiv übertragen. Oder sie werden von Basquiat freigelegt: Er zeigt uns, was im Inneren vorgeht. Sowohl rein körperlich durch die Darstellung des Totenkopfes als auch emotional durch die bunten Farben und wilde Verzerrung.

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass Dr. Martens mit dieser Kollektion einen passenden Einblick in Basquiats Welt gegeben hat. Sie haben sich Werke ausgesucht, die verschiedene Facetten seines Lebens und seiner Persönlichkeit beleuchten. Sei es sein Wunsch nach Anerkennung durch die Krone oder seine wirre Gefühlswelt durch die Dustheads, aufzeigen. Dazu wurde seine künstlerische Palette durch 3 Werke mit unterschiedlichen Stilen, die alle sehr gut auf den Schuhen aussehen - wobei der 1461 Schuh mein Favorit ist - angemessen dargestellt. Nur sein Leiden unter Gesellschaft und Kunstwelt, seine nicht selten geäußerte Kritik daran und die tragischen Folgen zu erwähnen, hätte dem Ganzen gutgetan, um das Bild abzurunden. Untitled (Devil) von 1982 oder Irony of Nergo Policeman von 1981 hätten sich zum Beispiel angeboten. Ergo: Schöne Kollektion, toll eingesetzte Designs und Basquiat im Großen und Ganzen die Ehre erwiesen, die ihm als einem der größten Künstler des 20. Jahrhunderts gebührt.

Autor: Frederic Schnarr

Moubarak Assima

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