Ein Blick hinter die Kulissen: Das Interview mit Till Jagla - Dem Global Head of Energy bei adidas

Till Jagla ist bereits seit über 20 Jahren im Sneaker-Business und somit eine lebende Legende für jeden Sneaker-Enthusiasten.

Ein Blick hinter die Kulissen: Das Interview mit Till Jagla - Dem Global Head of Energy bei adidas

Till Jagla ist bereits seit über 20 Jahren im Sneaker-Business und somit eine lebende Legende für jeden Sneaker-Enthusiasten.

Till Jagla ist bereits seit über 20 Jahren im Sneaker-Business und somit eine lebende Legende für jeden Sneaker-Enthusiasten.

Seinen Karrierestart hatte er bei New Balance, wo er zunächst in völlig verschiedenen Bereichen tätig war.

Seine Spezialisierung auf exklusive Footwear-Konzepte begann bei adidas. Nun ist er der Hauptverantwortliche für die „Energy“ -Abteilung. Er und sein Team kreieren eure Lieblings-adidas Kollaborationen. Angefangen vom A Bathing Ape Superstar bis hin zum SUPEREARTH ZX Pattern Efficiency in Zusammenarbeit mit Sean Wotherspoon. Natürlich gibt es darüber hinaus noch einige andere Limited-Konzepte welche er umsetzte, aber dann würde die Liste niemals enden.

Lernen wir ihn und seine Arbeit nun besser kennen.

Ein Blick Hinter den Kulissen: Das Interview mit Till Jagla - Dem Global Head of Energy bei adidas

Hey Till wie geht’s dir? Bitte stelle dich den Lesern vor und erzähle ihnen von deiner Arbeit.

Hi Champ. mein Name ist Till Jagla und viele kennen mich durch meine Arbeit in der Sneaker-Industrie. Seit 20 Jahren setze ich Footwear and Apparel Konzepte um. Seit 11 Jahren bin ich bei adidas und habe die Business Unit „Energy“ gegründet. Hier gehts um High Interest Produkte. Nebenbei habe ich in 2016 Pacemaker gegründet, eine Lifestyle Marke, die sich bis jetzt auf Streetwear konzentriert hat.

Wann hattest du deine erste Berührung mit Sneakern? Und was war der Auslöser dafür, dass du dein Leben den Turnschuhen gewidmet hast?

Ich habe schon als Kind gemerkt, das „Sportschuhe“ mich faszinierten. Ich bin ein Kind der 80iger. Somit habe ich in meiner Jugend miterlebt, wie die krassesten Footwear- Konzepte zum ersten Mal released wurden.

adidas Torsion, Equipment, Reebok Pump, Puma Disc, Predator, etc. Ich fand technische Schuhe schon immer super interessant und habe sie studiert. Daraus ist eine Sammelleidenschaft entstanden. Und daraus wiederum meine Berufswahl. Jetzt kann ich das Privileg leben, aus dem Hobby einen Beruf gemacht zu haben. Der Mega- Hype um das Thema Sneakers, Mode und Fashion hat natürlich geholfen, dass ich eigentlich non-stop kreieren konnte.

Du hast deine ersten Erfahrungen in der Branche bei New Balance gemacht. Was würdest du sagen was du bei ihnen gelernt hast? Und was wendest von diesen Fertigkeiten heute noch an?

Der Kern-Unterschied zwischen einem mittelständischen Unternehmen und einem globalen Big Player ist, dass du dich in der Breite gut aufstellst, weil du eigentlich alles machst. Ein bisschen PR, Kommunikation, Seeding, Produkt.

Im großen Unternehmen spezialisiert du dich eher und wirst Experte auf einem Teil der Wertschöpfungskette, z.B Produkt Left Right Center. Ich kenne viele Leute, denen es daher schwerfällt, das große Ganze zu sehen. Meine Ausbildung bei NB hilft, dass ich alles ganzheitlich sehe und angehe. Auch Pacemaker ist so aufgebaut. Wir denken nur End to End. Das macht uns so unglaublich schnell!

Wenn du nun die Zeit, in der du bei New Balance warst, mit adidas vergleichst, welche für Unterschiede fallen dir da auf?

Ich habe es ja gerade schon angeschnitten. Im Grunde sind die Mechaniken und logischerweise die Marktgesetzte die selben. Der größte Unterschied ist die interne Komplexität und der Umfang des Businesses. Durch die Größe von adidas bedarf es unglaublich viel internes Alignment. Man muss im Prinzip wissen, was in 1,5 Jahren in jeder Kalenderwoche passieren soll. Bei Brands wie NB gibt es nicht die Breite und Tiefe, demnach ist die Planung etwas einfacher.

Das adidas HQ in Herzogenaurach

Kannst du uns bitte die ganzen Etappen erläutern die du bei adidas schon hinter hast? Wie fing alles an, womit hast du dir den Status, den du heute hast, erarbeitet?

Klar, angefangen habe ich als Lifestyle Verantwortlicher im deutschsprachigen Raum. Hier ging es maßgeblich darum die globalen Produkte und Ideen so marktspezifisch wie möglich umzusetzen.

Nach 3 Jahren bin ich in die globale Organisationen gewechselt und habe ein Fast Fashion Model aufgesetzt. Die Zielsetzung war es den Produkt-Kreations-Kalender von 18 Monaten auf 3 zu reduzieren, um schneller auf Trends reagieren zu können.

Nebenbei wurde ich noch gefragt, ob ich Customization neu interpretieren und re-positionieren kann. So ist die ZX Photo App entstanden.

Vor ca 6 Jahren habe ich dann die globale Verantwortung über alle Lifestyle Footwear Konzepte übernommen. Hier ging es maßgeblich darum neue Footwear Franchises zu kreieren (z.B NMD) oder Marketingkonzepte zu schreiben, die vorhandene Franchises und Produktfamilien zu revitalisieren (z.B. Stan Smith, Superstar).

Vor 2 Jahren fing dann das Projekt „Energy“ an. Die Zielsetzung ist, die Marke mit guten “Stories” aufzuladen. Heute operiert mein Team aus 4 Creation Centers heraus, HQ, Tokyo, Shanghai und Portland. Es ist schön zu sehen, dass die Ideen von meinem Team und mir so viel Anklang finden. Mich macht es stolz, wenn unsere Collaborations, Produkte oder Projekte erfolgreich im Markt landen.

Nun bist du Global Head of Energy bei adidas. Was kann man sich darunter vorstellen? Wie schaut ein Arbeitstag bei dir aus?

Wie schon erwähnt ist es meine Aufgabe, interessante und gehypte Stories zu entwickeln und diese umzusetzen. Wir sind häufig verantwortlich dafür, wie ein neues Produkt oder eine neue Technologie in den globalen Markt eingeführt wird. Wir sprechen von den sogenannten Building Blocks, die uns helfen, die übergeordnete Strategie zu erreichen. Hierzu zählen Collabs, In-house Stories und Lizenzbusiness.

adidas Originals x A Bathing Ape (2021)

Du hast dieses Jahr wieder sehr sehr krasse Footwear- Konzepte hingelegt. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, aber der Bape Superstar hat es mir wirklich angetan. Oder der Forum Low Bad Bunny. Wie sahen die Designprozesse aus? Kaum jemand weiß, wie eine Kollaboration im Hintergrund entsteht. Eventuell gewährst du uns ein paar Insights.

Die Prozesse sind von Projekt zu Projekt verschieden. Mit Bathing Ape arbeiten wir schon lange, daher ist es immer recht einfach. Wir sind gut eingespielt. Mit Bad Bunny war es super interessant. Wir haben viele Richtungen exploriert, wussten, dass wir den Forum etwas umbauen wollen, um ihn seinem Style anzupassen. Die Idee der “Buckle” kam direkt von Benito. Ich versuche immer, den Künstler bzw Collab- Partner so gut wie möglich zu lesen und zu verstehen. Wenn das gegeben ist, ist der Rest recht einfach. Die Arbeit mit Sean ist auch mega interessant. Wir verstehen uns blind und haben eine ähnliche Philosophie von Sneaker Culture.

Welches Konzept ich ebenfalls nice fand, war das „Super Earth“ -Konzept in Zusammenarbeit mit Sean Wotherspoon. Bei der Kollaboration konnte man die Energie förmlich spüren. Wie war es, dieses Projekt umzusetzen? Ich hatte auch das Gefühl, dass du dich ziemlich gut mit Sean verstehst.

Auf jeden Fall. Wir sind Freunde.

Ja das war krass muss ich sagen. Ich dachte immer das ich Kreativ bin und viel Power habe, aber Sean ist nochmal ein anderes Level. Wir haben uns super ergänzt und ich konnte viel von meiner Erfahrung einbringen.

Wir haben uns am ersten Tag in die Augen geschaut und uns versprochen etwas zu kreieren, was größer ist als nur ein Sneaker. Wir haben alles auf den Kopf gestellt und adidas extrem gefordert. Jeder, der im Prozess involviert war, hat absolut das Beste rausgeholt. Ich freue mich jedesmal, wenn ich höre, das man die Energie spürt. immer ein gutes Zeichen dafür, viel richtig gemacht zu haben.

Hattest du während deiner gesamten Laufbahn bei adidas ein Footwear- Konzept, das du persönlich nicht so mochtest und hat es dich demotiviert?

Ja, aber mich de-motiviert nichts! Ich verstehe meine Rolle und meine Verantwortung dem Unternehmen gegenüber.

Ein Bespiel ist “Deerupt” oder “SuperCourt”. Beides keine Schuhe, die ich selbst anziehen würde. Ich verstehe aber den globalen Sneakermarkt und weiß was auch, was sich verkaufen lässt. Beides sind keine Hype Schuhe, sollten es aber auch nie werden.

Beide Konzepte werden jedes Jahr millionenfach verkauft. Du musst verstehen, dass das “Fancy Business” finanziert werden muss. Du kannst nur krasse Collabs und Limited machen, wenn andere Projekte die Rechnungen zahlen. Ich finde es super interessant, meinen Kopf auf die unterschiedliche Welten einzustellen. Beides macht mir Spaß und nichts demotiviert mich.

Was steht in der Zukunft noch an? Was für Projekte erwarten uns in der nächsten Zeit?

Meine Zukunft wird sehr anders aussehen als man vielleicht jetzt denkt. Ich will lernen, neue Wege gehen, neue Industrien entdecken und überall versuchen das Traditionelle zu hinterfragen. Ich werde Projekte veranlassen, die Leute empowern. Ich liebe die Kreativität von Menschen. Ich will versuchen meine Infrastruktur anderen Menschen zugänglich und erlebbar zu machen.

Was würdest du jungen Menschen raten, die einen Fuß in die Branche setzen möchten? Auf was sollte man vorbereitet sein?

Ein Tipp der mich mein Leben lang begleitet ist “immer mehr zu investieren als andere” Man muss ständig an sich arbeiten. Viel reflektieren und überlegen was man besser und anders machen kann. Man muss versuchen, zu verstehen, wie man Leuten ihr Leben verbessern und vereinfachen kann. Man muss “Arbeit” sehen können und sich niemals zu schade zu sein, sich die Hände schmutzig zu machen. Wer viel gibt, wird viel ernten.

Das Team ist immer im Fokus und hat Priorität. Empathy ist ein entscheidender Faktor bei Mitarbeiterführung. Ich denke man muss einen Weg finden, widerstandsfähiger zu werden, egal was kommt, man muss Herausforderungen als Geschenk empfangen und sie mit Freude angehen. Man darf sich nicht verunsichern lassen und an die eigene Stärke glauben, auch wenn es mal stürmisch wird.

Wenn die deutsche Sneakerszene ein Mensch wäre wie würdest du sie beschreiben? Und wie würdest du sie in 5 Jahren sehen?

Gross, stark, etwas egoistisch. Dennoch jemand, der/die es liebt zu kommunizieren, viele Freunde hat und nicht immer weiß was er/sie will.

Hast du noch Schlussworte für die Jugend?

Keep pushing! Vertraut Euch selbst und habt keine Angst, Fehler zu machen. Niemand ist perfekt! Versucht Gutes zu tun und Leute durch Euer Handeln zu begeistern!

Danke für deine Zeit und pass auf dich auf!

Danke und bis bald. Stay safe!

Autor: Moubarak Assima

Moubarak Assima

Creator & Stylist Creative ideas for @nofaithstudios Manage things @fabricsoverfriends Represented by @noinfluence.today Editor @title

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