HOW DO I LOOK IN MY DURAG?

Berlin 2016.Jeden Tag wache ich auf. Dieselbe Routine. Ich öffne alle Fenster, um Luft durch das Apartment strömen zu lassen. Trinke ein Glas Wasser. Gehe hinaus auf den Balkon. Dann schaue ich auf mein Handy, um zu sehen, ob ich eine Nachricht von meiner Mutter bekommen habe.

HOW DO I LOOK IN MY DURAG?

Berlin 2016.Jeden Tag wache ich auf. Dieselbe Routine. Ich öffne alle Fenster, um Luft durch das Apartment strömen zu lassen. Trinke ein Glas Wasser. Gehe hinaus auf den Balkon. Dann schaue ich auf mein Handy, um zu sehen, ob ich eine Nachricht von meiner Mutter bekommen habe.

Berlin 2016.
Jeden Tag wache ich auf. Dieselbe Routine. Ich öffne alle Fenster, um Luft durch das Apartment strömen zu lassen. Trinke ein Glas Wasser. Gehe hinaus auf den Balkon. Dann schaue ich auf mein Handy, um zu sehen, ob ich eine Nachricht von meiner Mutter bekommen habe. Heute hat sie mir einen Link zu einem Twitter Video geschickt (ich habe kein Twitter, sie schon) und was ich sehe, erfüllt meinen Körper mit Stolz und Freude. Dieses Video. Ein Juwel meines kulturellen Bewusstseins.

Das Video zeigt eine Gruppe schwarzer Männer auf einem College Campus. Sie tragen eine Vielzahl farbiger Durags. Ich spreche hier von jedem Flavor - jedem Material. Diese Gruppe trägt Silkys, Velvets, extra lange Capes, gefaltet, geknotet - nonchalant und doch makellos. 7 Minuten iPhone Footage. Die Kamera folgt dem Wave Check Ref. Er bewegt sich von einem Teilnehmer zum nächsten und bittet ihn, sein Durag abzunehmen, um der Welt zu zeigen, wie viel Arbeit er mit der Brush investiert hat. Zeigen sich 360’s oder Spinning Waves, vernimmt man einen Chor von Erstaunen: "Ohhhhhhhh". Sind die Waves nur bescheiden, erntet niemand Verachtung. Ein paar Lacher, vielleicht ein: „You gotta keep brushing“ oder auch ein leises "Ahhh". Das Video lässt mich zurück, mit einem inneren Leuchten, direkt von meinem Herzen - einem Leuchten, das nur von meinen eigenen Augen wahrgenommen werden kann, die Zeuge werden durften, wie wir zurückfordern, was bereits uns gehört.

Damn. Aber du weißt nicht, was ein Durag ist, oder? Du weißt nicht, was Waves, Silkys, Velvets oder Capes sind? Nicht einmal die leistete Idee, was Spinning oder 360 bedeutet? Alles ok. Say less.

Ich habe die Sommer im Haus meines Großvaters in Upstate New York verbracht. Das einzige, was mich an ihm störte, war, wie er meine Haare kämmte. So hart wie nur menschenmöglich. Ich verstand nicht, wieso er das tat, bis ich zurück in das Haus meiner Eltern kam und ich sah, wie meine Mutter das obere Ende einer alten Strumpfhose abschnitt. Weißt du, was dann kam? Sie kämmte meine Haare genauso so hart und es war, als ob die Kraft meines Großvaters in ihre Armen überging. Sie wusch mein Haar, pflegte es mit Moisturizer, kämmte es erneut und dann zog sie mir diese alte Strumpfhose über den Kopf. Sie machte mich bekannt mit der Stocking Cap. Ich widersetzte mich zunächst. Jeden Morgen wachte ich auf mit einer Druckstelle um meine Stirn, die meinen gesamten Kopf umspannte. Und meine Mutter sagte mir: „Junge, lass das einfach auf deinem Kopf, die Linie wird schon weggehen“. Meine Mutter, mein Vater, mein Großvater - sie alle wollten, dass ich Waves hatte. Das Ziel der Stocking Cap und des Moisturizers war, meine Locken in einem Linienmuster festzuhalten. Meine Haare wurden nach vorne gekämmt und dann fest von der Stocking Cap nach unten gedrückt und an Ort und Stelle gehalten. Und nach all dem Bürsten und den Stunden unter der Stocking Cap waren meine Haare wavy wie der Ozean. Bald begannen sie, wie ein Wasserfall über die Seiten meines Fades zu stürzen. Ich wurde Zeuge eines Tsunamis. Ich blickte in den Spiegel und auf meine tiefschwarzen, samtenen Locken und mir gefiel, wie das Licht auf das Wellenmuster traf. Ich war ein Waver, ich kämmte meine Haare Tag und Nacht, ließ sie wachsen. Die Waves waren da. Und als ich das nächste Mal zum Barber ging, verpasste er mir einen Number Two Caesar - die gleiche Länge, einmal rund um den Kopf. Und die Waves wurden 360’s. Wellen rund um meinen Schädel. Es war heftig. Einige Leute drohten zu ertrinken, andere wurden nur seekrank... Doch am Ende erreichten sie die Küste. Andere Waver wurden von den Wellen angezogen wie Surfer. Sie kamen für einen Wave Check und baten mich, meine Wellen zu präsentieren. Hochwasser. Jedes Mal.

Ok, jetzt wissen wir alle, was Waves sind. Wir haben festgestellt, dass das Bürsten die Stunden sind, die du im Gym verbringst. Der Moisturizer ist das Protein. Und die 360’s sind die Muskeln, die du dir verdienst. Du weißt, dass deine Mom vielleicht schon mit der Stocking Cap auf dich wartet. Fantastisch.

Also, wo waren wir? New York. Upstate. Meine Mutter hat vier Brüder und zwei Schwestern. Das ergibt einen ganzen Clan von Cousins. Mein älterer Cousin Blue hatte damals einen Barbershop in der Nähe des Freizeitzentrums, in dem ich im Sommer Basketball spielte. Blue war der erste, dem meine Mutter erlaubte, mir ein Design hinten am Kopf zu trimmen. Einen Nike Swoosh. Und ein anderes Mal ein Batman Signal. Ich war mir ziemlich sicher, dass Blue der coolste Mensch war, den ich jemals treffen würde. Sein Lächeln war ansteckend, er strahlte vor positiver Energie. Eines Tages sagte mir meine Mutter also, ich sollte auf dem Weg zum Basketball bei Blue anhalten, damit er mir einen Haarschnitt verpassen konnte. Ich nahm den Weg vom Haus meines Großvaters aus den Hügel hoch, überquerte zwei Kreuzungen und bog rechts ab. Ich ging über die Straße und schaute vorher in beide Richtungen, wie ein guter 10 jähriger das so tut. An diesem Tag öffnete ich die Tür und war geblendet von der Reflexion der royalblauen Kopfbedeckungen, die dieser König trug. Ein Pharao in meinen Augen, königlich in seinem angestammten Kopfschmuck. Ein Kleidungsstück angemessen für das Leben und die astrale Ebene. Als Kind war ich besessen von ägyptischer Geschichte und ich wusste, Blue - Blue ist König Tut. Der glänzende Stoff bedeckte sein Haupt und war hinten in einem perfekten Knoten zusammengebunden, ein langes Cape - das Ende des Durags - lag wie Engelsflügel auf seinen Schultern. Ich wollte erfahren, was diese Eleganz war und Blue ließ mich wissen, dass es ein Durag ist. Ich brauchte eins von diesen Dingern.

Und vielleicht fragst du dich immer noch, was ein Durag ist. Das Durag ist ein Stück Stoff das verwendet wird, um einen Hairstyle an Ort und Stelle zu halten. Waves, Cornrow, Braids, Twists, Knots und Locs. Es bewahrt das Haar davor, zu zerzausen. Das Durag ist das funktionalere Upgrade der Stocking Cap. Es kommt in zahlreichen Materialen, aber die beliebtesten sind Seide und Samt. Das Silky kostet dich um die $3 - $5, das Velvet eher $7-$10. Velvets sind ein wenig schwerer, aber sie sind mit Seide eingefasst. Also rate ich dir, hol dir einfach das Silky.

Wer hat das Durag erfunden? Ich kann keiner Person den vollen Credit dafür geben, aber ich kann dir sagen, dass es erstmals in Sub-Sahara Gebieten von Afrika auftauchte. Der Stoff wurde verwendet, um die Strahlen der Wüstensonne abzuwehren. Es gab sie auch während der Sklaverei, als Sklaven-Tücher um ihren Kopf wickelten, um sich bei der Arbeit auf den Feldern vor der Sonne zu schützen. Das Durag erlangte Popularität bei den Massen, als es in den 1930'ern bis 1960'ern üblich wurde, sich die Haare chemisch zu glätten. Es hielt die Haare glatt und vorzeigbar.

Wo kannst du ein Durag kaufen? In jeder größeren Stadt in Amerika. Wenn du eine Bodega, einen Eckladen oder einen Beauty und Hair Supply findest, sind die Chancen ziemlich hoch, dass sie dort irgendwo zwischen den Kämmen eingequetscht sind. Ich lebe jetzt einige Jahre im Ausland. In Berlin habe ich sie nur in Afro Shops gefunden, die normalerweise von Afrikanischen Einwanderern geführt werden. Oder Läden mit den Worten Urban oder HipHop irgendwo in ihrem Namen. Ich bleibe bei den Einwanderern. Zum Glück habe ich mich einmal komplett eingedeckt, denn in Tokio, wo ich jetzt lebe, habe ich ein paar astronomische Preise für Durags gesehen. Aber ja - you do what you gotta do to keep that hair fresh. Sobald du denkst, du bist im richtigen Laden, schau dich nach den kleinen Boxen um. Diese Boxen mit einem schwarzen Mann dessen selbstbewusstes Lächeln deine Aufmerksamkeit erregt. Das selbstbewusste Lächeln, das in dir den Gedanken weckt, der Inhalt dieser Box wird dich dazu bringen, dein Shirt ebenfalls auszuziehen, damit jemand ein Foto von dir schießen kann. Mit diesem kleinen Stück Mekka, das dein Haupt krönen wird. Vielleicht wird genau das geschehen. Sei dir bewusst, es steckt Magie in dieser kleinen Box.

Das Durag wird dank Social Media, immer alltäglicher. Seine Sichtbarkeit und Popularität hat teilweise dazu beigetragen, negative Konnotationen abzubauen. Der Stoff hat sich bei dir vielleicht als etwas eingeprägt, das dein Lieblingsartist während einer Performance trägt, vielleicht auch dein Lieblingssportler. In der schwarzen Community ist es ein Bestandteil unserer Identität. Unsere Haare sind eine Krone, die wir schützen müssen. Und trotzdem haben einige von uns die Sorge, damit vor die Tür zu treten, wo wir aufgrund dieses kleinen Stück Stoffs stigmatisiert werden. Das Durag hatte lange ein schlechtes Image, gilt als "Gangster" oder "Thug". Eltern verbieten ihren Kindern, es in der Öffentlichkeit zu tragen, um negative Vorurteile zu vermeiden. 2001 wurde es aus der NFL verbannt, 2005 aus der NBA - vorwiegend schwarze Ligen verboten einen Teil unserer Identität. Das Durag verwehrte mir den Eintritt in jede Bar auf meinem College Campus. Es wird von Kriminellen und Thugs getragen, deren Mugshots im Fernsehen gezeigt werden.

Aber ich bitte dich, diese kriminalisierende Agenda aus deinen Gedanken zu löschen. Ersetze diese Bilder mit dem von Rihanna auf dem Cover der Britischen Vogue - mit einem schwarzen Durag, das vorne geknotet ist. Fülle deinen Kopf mit den Bildern von Solange Knowles bei der Met Gala, mit einer himmlischen Kopfbedeckung auf deren Cape es heißt: "My God wears a durag". Und wenn du das Wort Durag hörst, dann möchte ich, dass du Solange singen hörst, wie sie es in Almeda tut: "Black faith still can’t be washed away, not even in that Florida water". Die dunklen Gewässer der Gesellschaft - sie können nie den Ozean in mir trüben. Mein Glaube bleibt unberührt, geschützt unter meinem ’rag. Die Wellen schenken Gezeiten, die meine täglichen Ängste und Sorgen fortwaschen.

Und doch ist das Durag nicht kugelsicher. Nie hat es eine Kugel gefeuert oder abgewehrt. Und während der Betrachter es sooft für den Schurken hält, ist das Durag in Wahrheit der Held in diesem Ozean, den wir Welt nennen. Es ist ein weiches Stück Stoff, mit dem ich mein Haar bedecke, wenn ich schlafe. Es ist ein Stück Stoff, das ich trage, um diejenigen zu ehren, die es aufgrund sozialer Ungerechtigkeiten meiden mussten. Ich trage das Durag, weil es mich zu einem König macht - weil es meine Krone ist im Königreich des schwarzen Narrativs. Niemals werde ich es leugnen. Und jedes Mal, wenn mich jemand fragt, warum ich es in der Öffentlichkeit trage, werde ich Jay-Z’s So ghetto in meinem Kopf rezitieren.

So I'm cruisin' in the car with this bougie broad/ She said, "Jigga-Man you rich, take the du-rag off/ Hit a U-turn, "Ma I'm droppin' you back off“/
Front of the club, "Jigga why you do that for?“/ Thug nigga 'til the end, tell a friend bitch/
Won't change for no paper plus I been rich.

Wave check.
Mind open.
Capes out.

Der Reichtum liegt in unserer Abstammung.

Autor: Anwar Zane (übersetzt von Emma Philipp)

Moubarak Assima

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