„Ich bin ein unfassbar nostalgischer Mensch, aber ich habe mir das Vermissen abgewöhnt.“ – Ahzumjot über „3:00“, Unabhängigkeit und Fan-Interaktionen.

Ahzumjot ist ein One-Man-Powerhouse, egal ob als Rapper oder Produzent. Sein Werdegang zeigt, dass harte Arbeit und Talent dir trotzdem nicht immer den einfachsten Weg ebnen.

„Ich bin ein unfassbar nostalgischer Mensch, aber ich habe mir das Vermissen abgewöhnt.“ – Ahzumjot über „3:00“, Unabhängigkeit und Fan-Interaktionen.

Ahzumjot ist ein One-Man-Powerhouse, egal ob als Rapper oder Produzent. Sein Werdegang zeigt, dass harte Arbeit und Talent dir trotzdem nicht immer den einfachsten Weg ebnen.

Ahzumjot ist ein One-Man-Powerhouse, egal ob als Rapper oder Produzent. Sein Werdegang zeigt, dass harte Arbeit und Talent dir trotzdem nicht immer den einfachsten Weg ebnen. Seit seinem Debut im Jahr 2011 ist viel passiert, vom Majorlabel gesignet und dann wieder gedroppt. Danach gab es nur noch einen Weg für den gebürtigen Hamburger: Independent. A never ending story! Die Entscheidung hat sich ausgezahlt. Es folgen mehrere EPs und Alben, ausverkaufte Touren und ausverkaufte Merchdrops. Und das Alles nur mit dem kleinsten Kreis.

Mit „3:00“ erwartet uns jetzt das neue Album und das fängt die Essenz von Ahzumjot perfekt ein. Ein komplett eigener Sound mit tiefen, selbstkritischen und szene-kritischen Texten. „3:00“ ist die Momentaufnahme eines Künstlers, der da angekommen ist, wo er all die Jahre hin wollte. Und auch wenn es immer noch viele Sachen gibt, die einem selbst im Weg stehen, bleibt eins gleich: „Alles wird gut in der Nacht“!

„Ich bin ein unfassbar nostalgischer Mensch, aber ich habe mir das Vermissen abgewöhnt.“ – Ahzumjot über „3:00“, Unabhängigkeit und Fan-Interaktionen.

Hallo Ahzumjot! Das waren bestimmt sehr turbulente Monate kurz vor Veröffentlichung deines nächsten Albums. Wie geht es dir damit?

Eigentlich liegen sehr turbulente Jahre eher hinter mir, deshalb hat sich daran, wie es mir geht nicht wirklich etwas verändert. Ich bin einfach nur froh, wenn das Album endlich erscheint und ich es mit den Leuten teilen kann. Das Album hat viel zu lang nur mir gehört.

Du hast zwar einen enormen Output, aber spielst auch viel mit den verschiedenen Arten deiner Projekte. Zum Beispiel hast du in den letzten Jahren EP`s, Mixtapes und das Projekt „Raum“ welches du Playlist genannt hast, rausgehauen. Wie reiht sich „3:00“ in den Rest deiner Diskographie ein und was macht es zu einem „richtigen“ Album?

„3:00“ kommt seit langem wieder auf etwas klassischerem Wege raus. Wir arbeiten mit Singles, geben mehr Interviews als sonst und haben vergleichsweise sehr früh angekündigt. Das Album lebt extrem vom Inhalt und der Geschichte, die es erzählt. Nicht dass Inhalte mir bei den genannten Releases egal waren, aber jetzt stehen diese ganz offensichtlich im Fokus. Deshalb tut es der Sache eventuell ganz gut, dass wir nicht noch mit der Veröffentlichungsweise groß herum experimentieren. Die Experimente finden viel mehr innerhalb des Albums und der Darstellung meines aktuellen Mindsets statt.

Die Stimmung der Nacht und die Uhrzeit 3:00 hatten schon vor dem Album immer wieder einen Platz in deinen Texten gefunden, wie bspw. in “Niemals Da”. Welches Gefühl verbindest du mit dieser Zeit?

Dass ich irgendwie fasziniert bin von der Nacht, dürfte mittlerweile kein Geheimnis mehr sein. Ich liebe einfach diese Stimmung zwischen Mitternacht und 4:00 Uhr. Es ist einerseits eine Tageszeit, in der absolute Ruhe herrscht. Keiner wird dich anrufen oder etwas von dir verlangen. Nichts lenkt dich ab. Man kann sich zu keiner Tageszeit besser auf sich selbst fokussieren. Man kann sich aber ebenso zu keiner Tagsezeit besser verlieren. Irgendwie ein luftleerer Raum der Freiheit. 3:00 ist dabei so der Zeitpunkt, an dem die Nacht langsam endet und der nächste Tag beginnt. „Silver lining“ war immer wieder so ein Begriff, der in der Konzeptionierung der Visuals fiel. Auf deutsch spricht man ja vom „Silberstreif am Horizont“, also dass aus etwas Schlechtem etwas Gutes wird. Dieses Gut und Schlecht liegen extrem nah beieinander. Um diese innere Zerrissenheit geht es eigentlich auf dem kompletten Album und da ist der Titel für mich natürlich mehr als passend.

Songs wie 3:00, Fall und Distanz II zeigen eine sehr ehrliche und persönliche Seite von dir. Jedes einzelne Lied transportiert jedoch eine ganz andere Stimmung. Fungiert deine Musik als Momentaufnahme eines Gefühls oder liegen diese Gefühle doch näher beieinander als man denkt?

Ja, meine Songs bestehen eigentlich schon immer aus bestimmten Momentaufnahmen. Eigentlich auf jedem Release bis auf mein Major-Album, auf dem ich versucht habe immer das große Ganze zu beschreiben, was mir aber nicht gut gelingt, da ich ein Mensch bin, der sich eher in Momenten verliert. Und ja, diese Gefühle liegen extrem nah beieinander. Trauer und Freude, Hass und Liebe, Euphorie und Melancholie – all das liegt nicht nur bei mir so nah beieinander, wenn man genau darüber nachdenkt. „Distanz“ und das darauffolgende „Distanz II“ stellen ja so die Mitte und den Turning Point auf dem Album dar. Den Moment zwischen Euphorie und Melancholie. Find’s manchmal aber auch sehr beängstigend und absurd wie sehr diese Gegensätze bei mir eine Rolle spielen und sich echt wie beim Staffellauf regelmäßig abwechseln. Aber eben wie beim Staffellauf geben sich Läufer aus demselben Team den Stab in die Hand. Man muss irgendwie versuchen zu verstehen, dass diese gegensätzlichen Emotionen und Erlebnisse am Ende für dasselbe Team spielen. Etwas, was bei Negativem erstmal schwierig zu verstehen ist, natürlich, aber heiß und kalt werden sich einfach dein Leben lang abwechseln und am Ende kommt dabei eine erträgliche und neutrale Temperatur raus. Das Ende ist meistens sehr neutral zu bewerten und, wenn man ehrlich ist, sind sogar die positiven und negativen Zwischenstationen neutral. Dinge passieren einfach. Ich weiß, dass das sehr extrem klingt, vor allem bei all der Scheiße, die um uns herum passiert und ich bin der letzte, der diese „Alles ist neutral zu bewerten“-Theorie auch immer aktiv auslebt. Wie gesagt – ich verliere mich in genau diesen Momenten und verfalle ihnen, aber wenn ich natürlich so darüber spreche, klingt das viel erleuchteter als ich in echt bin (lacht).

Seit Anfang der Pandemie streamst du regelmäßig auf Twitch und hast auch auf anderen sozialen Medien eine starke Interaktion mit deinen Fans. Inwiefern ist dir eine gewisse Nahbarkeit wichtig?

Ich finde es eigentlich gut, wenn Künstler sich ein gewisses Mysterium beibehalten. Es war auch kein einfacher Schritt für mich, aber ich habe gesehen, was es den Leuten bedeutet und mir gibt das mindestens genauso viel. Als Star inszeniere ich mich auf der Bühne. Da bin ich auch ein Star. In dem Moment, wenn ich auf der Bühne vor 100, 500, 1000 oder 10.000 Menschen stehe, bewege ich mich als wäre ich der größte Superstar der Welt. In dem Moment bin ich es de facto auch für die paar Leute, die da vorn stehen. Twitch und Social Media ist jedoch eher eine Bühne, die allen gehört und dort inszenieren sich viel zu viele als Stars und Menschen, die über allem stehen. Da möchte ich den Leuten eher das Gefühl geben „Hey, weißt du noch? Der Typ, den du gestern auf der Bühne gesehen hast, fühlte sich doch wie ein verdammter Superstar. Ich sag dir was – der weint, lacht und hat vor denselben Dingen Angst wie du. Du kannst dich also auch wie ein Superstar fühlen!“

Hat dieser starke Austausch mit deiner Fanbase dich auch auf einer künstlerischen Ebene beeinflusst?

Defintiv, aber was beeinflusst mich nicht? Ich lerne von meiner Fanbase genauso viel über mich wie sie durch meine Texte über sich eventuell lernen können.

In letzter Zeit hast du wieder viel aus der Vergangenheit ausgepackt. In der Twitch Reihe „Sende Liebe Raus“ redest du auch wieder über deine Zeit beim Major Label und die ist sehr negativ behaftet. Vermisst du auch etwas aus der Zeit, bzw. daran beim Major unter Vertrag zu sein?

Ich bin ein unfassbar nostalgischer Mensch, aber ich habe mir das Vermissen abgewöhnt.

Der Song Haifisch ist ein riesiges „Nein“ an die deutsche Musiklabel Landschaft. Du selbst hast erzählt, dass du wieder kurz davor warst, einen Major Deal abzuschließen. Was hat dich dazu gebracht, fast 10 Jahre später wieder mit dem Gedanken zu spielen irgendwo zu signen?

Ich wollte für das Album mehr Power haben. Fakt ist, dass dir so Indie wie wir es sind, Türen verschlossen bleiben werden. Einige konnten wir auftreten, aber viele sind gefühlt nicht zu durchbrechen. Labels haben immer noch diese Macht und ich wollte herausfinden, ob man diese Macht mit meiner Herangehensweise kombinieren kann. Und ich glaube immer noch, dass es funktionieren könnte, aber dafür müssten Labels mit mir auf Augenhöhe sprechen und mir nicht das Gefühl geben als wäre ich ihnen etwas schuldig, sobald ich dort unterzeichne. Am Ende gebe ich denen mehr von mir als ich von ihnen kriege. Schau mal, wenn ich bei einem Label signe, kriegen die 100% Ahzumjot. Mein Gedankengut, meine Kunst, meine Energie, mein Standing, was ich bedeute, meine Brand, alles. Ich kriege einen Vorschuss, einen kleinen Teil der Power, ein Team, das für mich arbeitet und potentielle Chancen. Das muss ich mir aber mit hunderten anderen Künstlern, die dort sind, teilen. Wenn die mich anrufen und sagen, dass wir noch einen Radiohit für die Platte brauchen, beschäftigt mich das rund um die Uhr. Wenn ich etwas brauche, beschäftigt sie das – extrem ausgedrückt – nur solange das Meeting ist, denn danach geht es in das nächste und danach in das nächste. Ich finde, dass das ein schwieriger Tausch ist, jedoch auch irgendwie verständlich.

Du kollaborierst im Allgemeinen nur mit sehr ausgewählten Künstler*innen, deswegen hat es mich überrascht dass der niederländische Künstler „Yung Nnelg“ auf deinem Album vertreten ist. Viele deiner Kollegen*innen schauen nur nach England oder Amerika, aber was hat dich bewegt auch auf unser kleines Nachbarland zu schauen und wie bist du auf ihn Aufmerksam geworden?

Ich war im Herbst 2019 fünf Tage in Amsterdam Teil einer Adidas-Kampagne mit mehreren internationalen Musiker*innen. Nnelg war Teil davon. Ich musste einen seiner Songs dafür remixen und musste ihn zwangsläufig näher kennenlernen und mir übersetzen lassen, was er da sagt. Ich fand seinen Sound direkt krass. Fernab davon haben wir eigentlich nach den Shootings die fünf Tage dort immer gemeinsam abgehangen, er hat mir Amsterdam gezeigt, paar seiner Leute vorgestellt. Wir haben uns extrem ehrlich und viel unterhalten und irgendwie erinnerte mich seine Geschichte ein wenig an meine. Ich hatte da den Song „Rookie“ bereits fertig, aber fand es mehr als interessant ihn raufzuholen. Er hat mir innerhalb weniger Tage seinen Part geschickt und gesagt „Bro, ich musste einfach. Der Song ist 100% ich“. Die Leute in Holland haben so einen krank freshen Sound. Ich hoffe, dadurch verstehen die Leute hier, dass nicht nur UK, Frankreich und USA cool sind. Fuck it, Holland ist auch einfach wesentlich fresher als Deutschland.

Auf Distanz II sprichst du zum ersten Mal öffentlich darüber, dass du Vater geworden bist. Dafür erstmal herzlichen Glückwunsch und alles Gute! Ich habe auch schon mit Serious Klein darüber gesprochen und er hat erzählt, dass man es ab diesem Zeitpunkt unbedingt schaffen muss. Wie hat dich dieses Ereignis in deinem Mindset beeinflusst?

Ich verstehe, was er damit meint und das waren auch meine ersten Gedanken. Mein Sohn wurde dieses Jahr ja einfach schon drei. Die Gedanken haben sich extrem verändert. Mein Mindset hat sich eher so verändert, dass ich meinen Grind mehr kontrollieren muss. Ich bin ein extremer Workaholic und neige dazu 100 Stunden die Woche zu arbeiten. Mein Sohn bremst mich, was mich anfangs extrem gestört hat und das tut es auch immer wieder, aber ich lerne langsam, dass alles, was ich erreichen will extrem nebensächlich ist. Ich will für meine Familie da sein. Natürlich will ich es irgendwie schaffen und mehr bieten können als ich hatte, aber ganz offensichtlich kam ich auch als Kind mit wenig aus. Der Junge wird mehr darunter leiden, wenn es dauernd heißt „ah ja, Papa ist arbeiten“ und das heißt es noch zu oft. Mein Ziel ist es jetzt eher mich so aufzustellen, dass ich mehr abschalten kann und punktuell mehr grinde, sodass ich effizienter werde. Ich habe zumindest geschafft, dass ich an Wochenenden nur noch in Ausnahmefällen arbeite. Mein Handy ist lautlos, sobald ich zuhause bin. Nichts kann so wichtig sein, dass es mit nach Hause genommen werden muss.

Was sind jetzt deine nächsten Pläne? Ich glaube wir warten alle sehr gespannt auf eine Ahzumjot Tour, wenn die Zeit es wieder zulässt!

2022 gehe ich ab März auf Tour, aber alles andere werden wir sehen. Ich bin der Beste im Pläne schmieden und sie dann zu 100% verwerfen, um was ganz anderes zu tun.

Hast du noch irgendwelche letzten Worte für die Leute?

Passt auf euch auf. Alles andere kommt von selbst.

Autor: Leon Dobbelgarten

Moubarak Assima

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