Ist es möglich sich als Schwarzer in der Modewelt zu behaupten? - Mein Werdegang in Kurzfassung

Als ich mir sicher war, dass ich einen Fuß in die Modeindustrie setzen möchte, war mir schon von vornherein klar, dass es nicht einfach werden wird. Vor allem war das mit dem Blog eine reine Schnapsidee, die mir eine Freundin vorschlug (liebe Grüße Kaj!).

Ist es möglich sich als Schwarzer in der Modewelt zu behaupten? - Mein Werdegang in Kurzfassung

Als ich mir sicher war, dass ich einen Fuß in die Modeindustrie setzen möchte, war mir schon von vornherein klar, dass es nicht einfach werden wird. Vor allem war das mit dem Blog eine reine Schnapsidee, die mir eine Freundin vorschlug (liebe Grüße Kaj!).

Als ich mir sicher war, dass ich einen Fuß in die Modeindustrie setzen möchte, war mir schon von vornherein klar, dass es nicht einfach werden wird. Vor allem war das mit dem Blog eine reine Schnapsidee, die mir eine Freundin vorschlug (liebe Grüße Kaj!). Mir war aber schon immer bewusst, dass ich zur Mode gehöre, so wie Basquiats sich dessen bewusst war, dass er zur Kunst gehört.

Als meine Ausbildung ein Ende nahm entschloss ich mich nach der Lehre bei KICKZ anzufangen und parallel den Blog zu pflegen und auf Instagram wie gewohnt meine Outfits hochzuladen, und diese beiden Social Media Plattformen zu verbinden. Jedem sollte aber klar sein, dass ich zu dem Zeitpunkt nicht schreiben wollte, weil meine Grammatik einfach beschissen war. Als Adrian Bianco mich auf seinem Radar hatte ermutigte er mich immer und immer wieder, dass ich weitermachen solle. Er meinte es würde nichts bringen, wenn ich die Bilder von Kaj hochlade und es dazu keinen passenden Inhalt gibt, der dem ganzen mehr Leben verleiht. Durch seine Unterstützung habe ich eine Entscheidung für mich selbst getroffen, die mein komplettes Leben auf dem Kopf stellen sollte. Ich wollte nicht mehr in meiner Komfortzone bleiben - ich wollte ausbrechen - meinen Horizont erweitern - auf die Schnauze fallen - lernen, und schauen, wohin es mich letztlich führt. Ich fing tatsächlich das Schreiben an. Auch wenn es anfangs sehr schleppend lief, aber ich tat es wirklich. Ich hätte es selbst niemals von mir erwartet.

Photo by Chiara

Anfangs wurde ich so zerrissen, dass ich wirklich keine Lust mehr hatte meinen Blog zu kuratieren. Es war ein inneres Tauziehen mit mir selbst. Ich fragte mich ständig: „soll ich weitermachen oder soll ich es einfach sein lassen“. Einige gute Freunde standen hinter mir und meinten, dass ich weitermachen solle, wenn es wirklich das ist, was ich machen möchte. Selbst Adrian stand hinter mir und verpasste mir einige Arschtritte, sodass ich wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkehrte. Da war ich wieder. Zwar in den sozialen Medien gelyncht worden, aber ich wusste, dass ich einfach weitermachen musste. Ich war stärker denn je.

Das ganze Geschehen erinnert mich an die japanische Wabi-Sabi-Philosophie. Im Prinzip bedeutet Wabi-Sabi, dass in der Imperfektion die wahre Schönheit liegt. Erst muss was komplett zerstört werden, bis man die wahre Schönheit darin erkennt. Ich merkte über die Zeit, dass das Wabi-Sabi Konzept in mir aufging. Über die Zeit lernte ich einige Dinge. Vor allem über mich selbst. Diese Komponenten waren für meine persönliche Entwicklung und mein Handwerk essenziell. Ich wurde älter - sog einige Informationen auf, und begann mich langsam aber stets weiterzuentwickeln. Ich war mir dessen bewusst, dass ich niemals der breiten Masse anpassen könnte, da ich mein eigener Charakter bin, wie man es aus diversen Animes kennt. Ich habe schon immer versucht bei meinen Projekten meine eigene Note mit einzubringen. Auf meinem Weg ließ ich mich natürlich von einigen Menschen inspirieren, bis mir klar wurde, dass ich meine eigene Inspiration sein sollte. Man darf sich niemals selbst aus den Augen verlieren. Das ist mir in meinem Entwicklungsprozess ziemlich klar geworden, weil dadurch die eigene Identität verloren geht. Jeder Mensch ist auf seine eigenen Art und Weise einzigartig. Aber das wird mit so vielen äußeren Einflüssen wie Mode, Musik und dem persönlichen Umfeld unterdrückt, und lässt viele Menschen gleich abstumpfen.

Photo by Chiara

Ich machte über die Jahre weiter und alles entwickelte so wie ich es mir ungefähr vorstellte. Im Laufe der Zeit bekam ich die ersten Kooperationsanfragen von diversen Marken. Um es an der Stelle kurz zu machen zähle ein paar meiner bereits eingetüteten Kooperationen auf: adidas Originals, Converse, MCM, VOGUE, Zalando usw.
Die Liste geht noch länger, aber kommen wir zurück zum wesentlichen.

Ihr seht, dass es machbar ist, als People of Color ein Fuß in die Modewelt zu setzen. Jeder, der es wirklich will, kann sich in der Modewelt behaupten. Man muss seinen eigenen Weg finden - der Weg, der für einen bestimmt ist. Mein Pfad war es über die sozialen Medien und mein unglaublicher Hunger mich in der Modewelt zu behaupten. Aber wenn ihr denkt, dass es reicht nur ein paar Outfits zu posten, mit den coolsten Klamotten und parallel ein paar Blogs zu schreiben, habt ihr euch völlig geirrt. Es ist viel mehr als das. Es ist ein Lebensstil, dem man sich hingibt. Man investiert sehr viel Zeit und Hingabe, bis sich die ersten Zahnräder drehen. Ich war bereits auf so vielen Berlinern Fashion Week Veranstaltungen, nur um Präsenz zu zeigen, und um mich mit den Kreativen aus der Szene zu connecten. Ich habe in meinem regulären Job schon so oft auf Toiletten diverse Artikel fertiggestellt oder fortgesetzt. Ich schlafe wenig, was mittlerweile zu meinem gewohnten Alltag gehört, da ich tief nachts noch weiterarbeite. Ich überlege mir ständig neue Konzepte, die ich realisieren möchte. Im Endeffekt ist man nur am Arbeiten. Das sehen viele Menschen gar nicht. Die meisten sehen nur den oberflächlichen Erfolg der dahintersteckt. Die meisten bekommen nicht mit, was es für eine Opferbereitschaft braucht, um seinen träumen hinterherzulaufen.

Photo by Anne
Photo by Anne
Photo by Anne

Man muss alles geben, was man hat. Ich bin durch sehr viel Scheiße gegangen, um mir den Titel zu erkämpfen, den ich heute trage. Dabei habe ich noch nie persönliche Erfahrungen mit Rassismus in der Industrie gemacht. Eher bei Menschen die solche Aussagen brachten wie: „du bist Schwarz - du kannst doch alles tragen.“ Wenn Menschen solche Aussagen treffen ist ihnen meistens nicht im Klaren, dass es Rassismus ist. Es ist passiver Rassismus, der einen heimtückisch angreift. Nur aufgrund meiner Hautfarbe soll mir „alles stehen“? Meine Gefühl fürs Styling ist eine Sache, die nicht von gestern auf heute passierte. Es ist ein Prozess, der sich über mein ganzes Leben zog. Selbst heute ist es noch ein Prozess, weil man nie auslernt und sich immer neue Eindrücke verschafft. Mode hat nichts mit einer Hautfarbe zu tun. Entweder du hast es drauf oder nicht. So einfach ist es.

Wenn man bis zum Fundament der Mode zurückkehrt wäre Mode nur was für weiße reiche Frauen gewesen. Anfangs haben die Haute Couture Häuser ausschließlich Damenmode gemacht. Mode wäre von vornherein nichts für Männer gewesen. Erst recht nicht für schwarze Männer, bis sich über die Zeit Andersdenkende sich einen Namen mit ihren Brands machten. Sie stellten mit ihrer Vision die konservative Modewelt auf den Kopf. Nun habe ich das Gefühl, dass ich einer dieser Andersdenkenden aus meiner Generation bin. Ich bin zwar kein Designer und habe kein eigenes Label, wo ich meinen Gedanken auf Kleidung freien Lauf lassen kann, jedoch habe ich meine eigene Plattform, wo mir kein anderer reinreden kann, wie ich was zu tun habe. Nun ist es an der Zeit, dass die Modewelt einen Wandel erlebt. Dabei ist es nicht damit getan, wenn Virgil Abloh Artistic Menswear Designer bei Louis Vuitton ist.  Es ist erst damit getan, wenn junge schwarze Menschen auch die Chance haben sich in der Modewelt zu etablieren.

Fotos: Anne Schwarzelt & Chiara Alliyah / Assistant: Chiara Alliyah / Styling: Moubarak Assima / Creative Direction: Anne Schwarzelt & Chiara Alliyah / Model: Moubarak Assima

Moubarak Assima

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