It’s not a Filter: Die ungefilterte Welt von Elissar El Hammoud

Elissar ist einer dieser Bonner, die wir ebenfalls auf der Pariser Fashion Week trafen. Man verstand sich auf Anhieb. Deshalb war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Wege wieder kreuzen würden.

It’s not a Filter: Die ungefilterte Welt von Elissar El Hammoud

Elissar ist einer dieser Bonner, die wir ebenfalls auf der Pariser Fashion Week trafen. Man verstand sich auf Anhieb. Deshalb war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Wege wieder kreuzen würden.

Ella (meine Freundin) war mal mit Amy (einer anderen Freundin) in Köln. Daraufhin fuhren sie gleich nach Bonn, um sich mit den Bonnern bekannt zu machen, die Amy in London getroffen hatte. Es war nur eine Frage der Zeit, bis man sich kennenlernte. Ella war so begeistert von den Menschen dort, dass sie meinte, dass wir da unbedingt hin müssen, weil es mir richtig gut gefallen würde. Aber Gott hat ein paar Zahnräder in Bewegung gesetzt, und man traf sich Anfang diesen Jahres völlig ungeplant bei der Pariser Fashion Week.


Elissar ist einer dieser Bonner, die wir ebenfalls auf der Pariser Fashion Week trafen. Man verstand sich auf Anhieb. Deshalb war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Wege wieder kreuzen würden. Nun kreuzen sich die Wege in Form eines Interviews, da Elissar eine Vielseitigkeit an Kreativität mitbringt. Sie fotografiert, DJ’ed und studiert Modedesign. Heute schauen wir uns den Aspekt der Fotografie genauer an, in einem Interview mit ihr.

It’s not a Filter: Die ungefilterte Welt von Elissar El Hammoud

Hi Elissar! Es freut mich ein Interview mit einer so facettenreichen Person halten zu können. Kannst du uns für’s Erste grob etwas über dich erzählen?

Mich freut es ebenso, dass ich die Möglichkeit hab etwas über mich und meine Kunst zu erzählen.

Mein Name ist Elissar El Hammoud. Ich bin 20 Jahre alt und studiere zurzeit Modedesign. Ich bin in Bonn aufgewachsen und bis vor kurzem hatte ich das Gefühl, dass das ein Faktor ist der mich in meinem Leben aufhält. Doch mittlerweile ist die Stadt ein Teil meiner Identität geworden. Bonn ist nicht unbedingt eine Stadt die man mit Kreativität und Vielfalt in Verbindung setzt. Ich hatte das Gefühl, dass ich ein wenig anders bin, und das wurde mir von anderen auch immer wieder bestätigt. Mein Kleidungsstil, meine Interessen und meine Ansichten waren anders. Die Leute um mich herum gaben mir das Gefühl, als wäre das etwas Schlimmes. Ich glaube, dass es vielen kreativen Menschen so ergeht, dass man als komisch abgestempelt wird und keiner einen so wirklich ernst nimmt. Mir erging es lange auch so, bis ich hier irgendwann auf Menschen gestoßen bin, die meine Ansichten teilten. Mein Interesse für Mode war eigentlich schon immer gegeben, nur habe ich es nie als wirklichen Teil von meinem späteren Leben gesehen. Die Entscheidung zum Modedesign-Studium war dann ziemlich impulsiv. Mein Ziel ist es nicht, die erfolgreichste Designerin aller Zeiten zu werden, sondern Mode mit einer Aussage zu machen, die für mich bedeutend ist. Ich lasse mich dabei oft von meinem Alltag inspirieren und den Themen, die mich aktuell beschäftigen. Ich möchte die Menschen damit erreichen, die das verstehen und meine Meinung teilen. Meine Mode soll meine Gedanken und meinen Charakter widerspiegeln. Wer die Botschaft erkennt, für den sind meine Sachen gemacht

Du bist im Bereich Mode, Musik und auch Fotografie aktiv! Über Letzteres unterhalten wir uns intensiver. Wie hat das alles angefangen? Und wie kam es dazu, dass du jetzt auf regelmäßiger Basis fotografierst?

Ich hab mich nie wirklich mit dem Bereich der Fotografie auseinandergesetzt. Ich kam eher zufällig dazu. Vor 2 Jahren war ich mit einer Freundin auf einem Flohmarkt, und wir haben eine alte Analog-Kamera gefunden. Und so fing es dann an. Ich hatte eigentlich absolut keine Ahnung, wie ich damit umgehen muss, geschweige denn, wie das mit den Filmen läuft, etc. Aber ich hab dann schnell Hilfe und Antworten bekommen, bei einem lokalen Fotoladen. Anfangs hab ich die Kamera ab und zu mal mitgenommen, wenn ich unterwegs war, und hab Fotos von meinen Freunden gemacht. Anfang letzten Jahres hatte ich mir dann eine neue Point & Shoot geholt, die viel handlicher war und somit einfacher war überall hin mitzunehmen, egal ob es Partys, Konzerte, der See oder einfach nur eine kleine Runde mit Freunden waren. Ich hab das Ganze aber nicht wirklich ernst genommen. Die Bilder hab ich mehr aus Spaß gemacht. Ich hab dann, sobald ich einen Film entwickelt hatte, meine Lieblingsbilder in meine Story gepostet und das war’s. Bis dann ein guter Freund von mir mich darauf hingewiesen hat, dass meine Bilder doch ziemlich gut wären und ich vielleicht einen Extra Account dafür eröffnen sollte. Der Kumpel war Nik Müller, der übrigens meiner Meinung nach einer der begabtesten jungen Kreativen momentan hier in Deutschland ist. Ich liebe seine Arbeit. Und als dann von jemandem diese Aussage kam, von dem ich behaupten würde, er weiß wovon er spricht bzw. auf dessen Meinung ich vertraue, war ich überzeugt, dass es keine schlechte Idee sei.
Mit der Zeit hab ich dann immer mehr Bilder gemacht und regelmäßig auf meinem Account gepostet. Ich hab immer mehr Gefallen an der Sache gefunden, vor allem weil analoge Fotografie diesen Überraschungseffekt mit sich bringt. Man weiß nie so wirklich, ob das Bild was geworden ist oder nicht, bis zu dem Moment, wo es entwickelt ist. Und ich glaube, das ist auch das, was mich so daran reizt. Mittlerweile verlasse ich das Haus kaum noch ohne die Kamera, weil man weiß ja nie, was spontan für Bilder entstehen können. Ich weiß bis heute nicht so recht, was ich mache. Es funktioniert aber trotzdem gut für mich. Deswegen mag ich die Frage auch nicht, welche Kamera ich benutze, weil ich glaube, dass das nicht der entscheidende Faktor ist, sondern, was man damit kreiert und jeder muss einfach das passende Equipment für sich finden.

Hast du in der Fotografie diverse Fotografen, die dich inspirieren?

Ja klar! Es gibt einige Fotografen deren Arbeit mich inspiriert, aber die ich auch als Kunstform an sich einfach schätze. Es gibt so viele talentierte Menschen da draußen. Jeder drückt mit seinen Fotos etwas aus. Manche besser als andere.  
Es ist erstaunlich wie viel ein gutes Foto in einem auslösen kann, und das ist für mich der entscheidende Faktor für eine Inspiration. Zum einen habe ich mittlerweile viele Leute in meinem Umfeld, die selbst analog fotografieren, und ich find’s immer wieder interessant zu sehen, dass, obwohl man evtl. ähnliche Interessen hat, die Bilder doch so unterschiedlich sein können. Einige dieser Leute sind: @nikmueller, @benesfilm, @schnixxshotthat, @melinaslr, @sonjaresplandor, @kydsou. Aber natürlich interessieren mich ebenso Fotos von Fotografen, die ich gar nicht kenne und deren Arbeit selbst schon sehr viel aussagt. Da ich selber nur analog fotografiere schaue ich mich auch hauptsächlich nur in diesem Bereich um. Außerdem interessiert mich vor allem die Arbeit von Leuten, die so wie ich ihren Fokus eher auf Menschen oder die Kultur um sie herum setzen. Ein paar Namen solcher Leute sind: @filmbytodd, @sabbadams, @pegahfarah, @tarekmawad, @estevanoriol

Bekommst du auch Aufträge rein, also auf professioneller Ebene? Oder ist das erst mal ein Hobby für dich?

Für mich ist die Fotografie auf jeden Fall noch ein Hobby. Ich würde mich nicht als professionell einstufen. Dafür kenn ich mich mit dem Ganzen nicht gut genug aus. Ich mache es an erster Stelle, weil ich Spaß dran habe und es so viele Möglichkeiten bietet damit zu experimentieren. Man entdeckt immer wieder was Neues. Aufträge habe ich bisher nur für Veranstaltungen von Freunden bekommen. Ansonsten vielleicht bei Videodrehs von Freunden und Bekannten, aber das seh ich weniger als Auftrag, weil ich dort auch so Fotos mache, wenn ich anwesend bin. Die meisten Fotos entstehen spontan. Dadurch, dass ich die Kamera (wie gesagt) fast immer mit habe, verpasse ich selten eine Gelegenheit für ein gutes Foto.

Dein Fokus liegt auf den ersten Blick auf Menschen und deren Emotionen. Achtest du beim Fotografieren auf etwas Besonderes? Was ist dir wichtig?


Ja, das stimmt. Ich fotografiere hauptsächlich Menschen. Ich mag es, die Leute in Aktion und authentisch abzulichten. Ich will nicht immer, dass meine Bilder super hübsch sind, sondern echt. Viele meiner Fotos sind durch die erste Reaktion der Menschen auf die Kamera entstanden. Das heißt, ich hab eigentlich keinerlei Anweisungen gegeben, sondern die Leute merken, ich mache ein Foto und passen sich schnell an. Man hat nicht viel Zeit unnötig darüber nachzudenken, was gut aussehen würde, sondern macht einfach.

Einige meiner Lieblingsbilder sind aber in voller Aktion entstanden. Das heißt, die Leute haben ihre Handlung einfach ausgeführt und ich knipse nebenbei unbemerkt ein paar Fotos. Das sind meist sehr ehrliche Bilder, weil die Person, die fotografiert wird gar nicht daran denkt, gut für das Bild auszusehen. Mir ist es besonders bei Porträts wichtig, die Person so authentisch und charaktertreu wie möglich einzufangen. Wenn ich Leute in Aktion fotografiere, dann will ich dass man nur durch das Anschauen die Energie spürt, die in dem festgehaltenen Moment da war. Ich versuche zu gestellte Fotos zu vermeiden. Selbst, wenn ich Anweisungen gebe, dann sind diese meist minimal. Ich will, dass die Leute sich wohlfühlen. Gutes Licht ist wichtig, obwohl das für mich oft auch wegfällt, wenn es sehr dunkel ist, und ich nur mit dem Blitz beleuchte. Ebenso achte ich darauf, einen guten Hintergrund zu haben - das macht sehr viel aus. Je nachdem, wen und wie man die Person fotografiert. Und was das Bild aussagen soll.


Wie gehst du generell auf Leute zu? Und wie ist da die Reaktion? Viele Fotos von dir entstehen ja auf Events, wo sich viele Leute versammeln und vieles auch durcheinander gehen kann.


Ich bin eine sehr extrovertierte Person. Daher fällt es mir leicht Leute für Fotos anzusprechen. Bisher hab ich diesbezüglich aber auch noch keine negativen Erfahrungen gemacht. Es wird auch eher selten hinterfragt wofür ich die Fotos mache, die Leute lassen sich einfach drauf ein. Viele fühlen sich geschmeichelt, Andere sind ganz überrascht, wieso ich denn genau ein Bild von IHNEN machen will. Manche reagieren wie Profis mit einem perfekten Blick und Pose, manche sind etwas überfordert oder eingeschüchtert von der Kamera. Aber trotzdem erklären sich fast alle zu dem Bild bereit. Man muss dazu sagen, dass ich zu einem Großteil Freunde oder Bekannte fotografiere. Aber es kommt auch vor, dass Leute ein interessantes Auftreten haben, was ich gerne festhalten möchte. Wenn ich auf Veranstaltungen unterwegs bin, sind die Leute es meist schon gewohnt, dass jemand mit einer Kamera rumläuft und fotografiert. Für Prominente ist es auch nichts Neues, dass Leute Bilder von ihnen machen wollen.  Trotzdem, wenn jemand Fremdes vor mir steht und es die Situation anbietet, frage ich lieber vorher immer, ob ich ein Foto machen darf.


Wenn du deine Aktivitäten/Interessen in den verschiedenen Bereichen einstufen könntest, was hätte für dich am Meisten Bedeutung und warum?

Ich würde sagen, dass die Mode für mich auf Platz 1 steht. Danach kommt die Fotografie und dann die Musik. Das liegt einfach daran, dass die Mode eine Leidenschaft ist, die ich schon so lange in mir trage, und ich wirklich darauf hinarbeite, diese auch zu meinem Beruf zu machen. Als ich nach dem Abi überlegt hab, wie denn jetzt meine Zukunft aussehen soll, konnte ich mich selbst nirgendwo sehen, außer in der Modebranche.

Ich habe vor, mit meiner Mode etwas zu bewegen. Die Fotografie ist, wie gesagt, ein Hobby, was mir sehr viel Spaß macht. Aber in den letzten Monaten immer mehr an Bedeutung für mich gewonnen hat. Die Musik ist etwas, was mich schon immer interessiert hat. Auch dadurch, dass viele Freunde von mir Musik machen, war ich immer davon umgeben. Aber mich selbst in dem Bereich hab ich mir bis vor Kurzem gar nicht vorstellen können. Das Ganze steht auch noch in den Startlöchern, aber ich bin gespannt, wie sich das noch weiterentwickelt. Ich bin schon sehr dankbar für das ganze positive Feedback, was ich diesbezüglich bekommen habe.

Allgemein ist es schön, in so verschiedenen kreativen Bereichen tätig zu sein. Ich glaube, dass diese Vielfalt mir nur von Nutzen sein kann. Ich selbst sehe eine positive Entwicklung in meinen Arbeiten aus allen Bereichen, und das ist immer ein Ansporn, um noch mehr auszuprobieren und zu lernen.

Inwieweit fließen deine anderen Interessen mit in deine Fotografie ein?

Dadurch, dass ich in meiner Fotografie stark von meinem Alltag inspiriert werde, verschmelzen meine Interessen miteinander. Die Musik spielt auf jeden Fall eine große Rolle in meinen Bildern. Ich fotografiere viel auf Konzerten, die ich besuche, aber genauso meine Freunde, die Musik machen. Ob es im Studio ist, oder bei einem Musikvideodreh. Ich fotografiere ständig. Ich finde es interessant, wie durch die Bilder die Identität der Musiker auch oftmals schnell deutlich wird. Das versuche ich mit meinen Fotos so gut wie möglich zu erreichen. Die Mode ist bisher kein großer Faktor in meinen Fotos gewesen, aber das ist etwas woran ich arbeite. Das liegt hauptsächlich daran, dass mein Fokus größtenteils wie gesagt auf den Menschen liegt. Ich habe letztes Jahr ein Editorial für meine eigene Arbeit fotografiert, was auch sehr Spaß gemacht hat, aber ich möchte demnächst noch mehr in die Richtung ausprobieren.

Du hast auch einige Fotos von Leuten geschossen, die in der Szene etwas bekannter sind, wie z.B. Lugatti, Kida Kudz oder DamnShaq! Kann mit weiteren Projekten in der Richtung gerechnet werden?

Ja, da wird sicherlich noch mehr von kommen.

Momentan ist das schwierig durch die Umstände, aber sobald vieles wieder beim Alten ist, bezüglich des Reisens, Partys, etc. kann man damit rechnen, dass noch mehr Content dieser Art folgt. Solche Bilder entstehen, wie gesagt, eigentlich alle spontan auf irgendwelchen Veranstaltungen oder durch Kontakte. Aber abgesehen von den Kida Kudz Bildern, waren keine meiner Fotos vorab geplant. Ich hatte meistens einfach das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und dann auch noch ein gutes Foto schießen zu können.

Was kommt in Zukunft noch auf uns zu?


Puuh. Bei der Fotografie auf jeden Fall noch sehr viel Content aus meinem Umkreis und Alltag, was für mich aber nichts Negatives ist. Ich bin umgeben von so vielen interessanten Menschen, das halte ich gerne in meinen Bildern fest. Trotzdem ist man, wie gesagt, durch die Umstände etwas beschränkt, wenn man wie ich viel auf Veranstaltungen fotografiert hat. Aber die Krise hält mich nicht davon ab, noch mehr aus mir und meiner Arbeit rauszuholen. Ich hab jetzt Zeit auszuprobieren, alte Arbeiten durchzuschauen und eventuell auch daraus zu lernen. Ich bin momentan auch an einem Projekt am feilen, worauf ich mega Lust hab. Aber das ist auf jeden Fall etwas, was man über einen längeren Zeitraum abarbeiten muss. Bezüglich der Mode arbeite ich zurzeit an meiner 4. Semester Kollektion, und nebenbei auch an privaten Projekten. Ich experimentiere viel mit unterschiedlichen Materialien. Also da wird auf jeden Fall in Zukunft noch Einiges folgen. Mit der Musik hab ich grad erst so wirklich angefangen, also bin ich selbst noch gespannt, wie sich das für mich in nächster Zeit entwickeln wird, aber ich bin sehr zuversichtlich.

Autoren: Moubsen & Angelina Tobin / Fotos: Elissar El Hammoud

Moubarak Assima

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