Jeder ist seines Glückes Schmied - Das Interview mit der Goldschmiedin Kiala Kanzi

Kreativität tritt in den unterschiedlichsten Silhouetten auf - auch bei Dingen, die kaum den Anschein machen, dass sie etwas mit Kreativität zu tun hätten. Allein, wie man sein Leben lebt, und was für Sichtweisen man zu gewissen Lebensbereichen hat, ist pure Kreativität.

Jeder ist seines Glückes Schmied - Das Interview mit der Goldschmiedin Kiala Kanzi

Kreativität tritt in den unterschiedlichsten Silhouetten auf - auch bei Dingen, die kaum den Anschein machen, dass sie etwas mit Kreativität zu tun hätten. Allein, wie man sein Leben lebt, und was für Sichtweisen man zu gewissen Lebensbereichen hat, ist pure Kreativität.

Kreativität tritt in den unterschiedlichsten Silhouetten auf - auch bei Dingen, die kaum den Anschein machen, dass sie etwas mit Kreativität zu tun hätten. Allein, wie man sein Leben lebt, und was für Sichtweisen man zu gewissen Lebensbereichen hat, ist pure Kreativität. Kiala ist eine Goldschmiedin, die Ursprünglich aus München kommt. Sie probierte vieles aus und hat sich schlussendlich dafür entschieden, dass sie als Goldschmiedin ihrer Kreativität freien Lauf lässt. Als Sprachrohr nutzt sie das Medium, um ihrer Kreativität eine haptische Form zu geben, die für jeden verständlich ist. In dem Interview gewinnen wir einen Eindruck in ihrem Werdegang und  warum sie aus München ausgezogen ist, um in Barcelona ihr eigenes Glück zu formen.

Jeder ist seines Glückes Schmied - Das Interview mit der Goldschmiedin Kiala Kanzi

Hey Kiala. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, wo ich anfangen soll, weil es so viele Aspekte gibt, über die man mit dir sprechen könnte! Wie wäre es, wenn du dich einfach erst mal vorstellen würdest?

Hahahaha. Ich bin Kiala - wohne zurzeit in Barcelona, und liebe es mit Metall zu arbeiten. Ich mag auch noch ganz viele andere Sachen. Reicht das vorerst? Hahaha.

Du machst Schmuck. Du kreierst Schmuck. Und zwar wirklich von Anfang bis Ende, der ganze Prozess. Seit wann machst du das schon?

Ich bin jetzt seit knapp 6 Jahren dabei Schmuck zu machen. Ich habe mit einem Praktikum angefangen im Jahr 2014.

Wie bist du dazu gekommen? Und wie lebt es sich so als Goldschmiedin?

Nach der Schule war es irgendwie vorbei mit dem Theoretischen. Ich wollte immer etwas praxisbezogenes machen. Die Zeit, die ich mir nahm, habe ich mir genommen, um wirklich herauszufinden, was genau ich machen möchte. Neben kleinen Jobs, habe ich angefangen verschiedene Praktika zu machen. Als Schneiderin habe ich angefangen, dann bei der Schuhmacherin weiter gemacht. Dann zum Schreiner. Im Nachhinein ist mir dann aufgefallen, dass das alles ein bisschen zu viel mathematische Ansprüche erfordert. Man muss sehr viel berechnen, ausmessen, aufzeichnen und ausprobieren, bis man zu dem kommt, was man sich vorstellt. Es sind auch die Materialien, die es einem nicht leicht machen. Wenn man einmal unbedacht und ungenau arbeitet, ist es vorbei. Beim Metall ist das anders. Man kann das gleiche Stück Metall in unendlichen Formen neu erfinden, immer wieder einschmelzen oder Dinge ergänzen bzw. hinzufügen. Es ist so überraschend spontan und flexibel, dass ich nicht mehr aufhören kann gewisse Dinge auszuprobieren. Es gibt so viele verschiedene Wege, um zu seinem Ziel zu kommen und mit jedem Schritt kann sich nochmal alles verändern. Das Leben als Goldschmied ist jeden Tag anders und wahrscheinlich auch für jeden Goldschmied unterschiedlich. Es ist ein Up and Down, aber ich liebe es. Ich brauche das.

Du bist derzeit in Barcelona tätig! Wie lange lebst du schon dort und warum hast du dich dafür entschieden wegzuziehen?

Ich lebe immer noch nicht ganz sicher hier (das ändert sich hoffentlich diese Woche). Ich suche noch nach einer Wohnung. Ehrlich gesagt lebe ich seit 2 Jahren ein Nomadenleben, hahaha. Ich bin da, wo es Platz für mich gibt (meistens bei Freunden). Wenn ich wohin will, gehe ich. Mittlerweile bin ich es gewohnt aus einem Koffer zu leben, aber es wird langsam anstrengend... Ich will ein Zuhause, mein kleines Nest mit meinen Bildern an der Wand. Ich habe mich entschieden, dass ich mir das hier aufbaue. Es gibt viele andere Orte auf der Welt, aber ich fühle mich hier am wohlsten. Die Werkstatt, die Community und meine neuen Freunde - sie sind zu meiner Familie geworden. Das erste Mal war ich hier im Jahr 2014, um nach einem Praktikum zu suchen. In Deutschland nach einem Praktikum zu suchen war mir zu einfach. Ich wollte etwas Neues ausprobieren. Also bin ich von Tür zu Tür gegangen und habe mich vorgestellt. Irgendwie hat das geklappt. Anschließend bin ich dann 2015 für ein einjähriges Praktikum nach Barcelona gezogen. Das war das Vorbereitungsjahr fürs Studium später in Pforzheim. Ich habe dann 3 Jahre dort studiert und bin im 4. Jahr fürs Pflichtpraktikum und den Bachelor wieder nach Barcelona in die gleiche Werkstatt und habe meine Brand gegründet. Ich hatte schon in verschiedenen Bereichen des Goldschmiedens/Schmuckmachens meine Expertise aufgefrischt und habe bereits für Brands, wie House of Malakai und Ann De Meulemeester gearbeitet. Ich hatte keine Lust im Praktikum meine Zeit und Kreativität in jemand anderen zu stecken, also habe ich sie in meine eigene Brand gesteckt. Ich komme aus München. Ich liebe die Stadt, weil meine Familie dort ist, aber zum Leben fehlt für mich etwas. Es ist zu perfekt und die Menschen trauen sich nichts. Hier kannst du machen, was du willst. Jeder macht das. Du kannst sein, wer du willst und aussehen, wie du willst. Die Sonne scheint immer für dich!

Inwieweit hat Barcelona dich in deiner Kunst geprägt?

Ich glaube am meisten mit Farben. Die mediterrane Wärme, die Erd- und Blautöne, das Licht und die Schatten. Das ist magisch hier in Barcelona. Zwischen 18:00 und 19:00 ist das Licht golden. Alles ist in Gold getunkt um diese Uhrzeit. Ich denke die Art und Weise zu arbeiten, die Spontanität, das entspannte aber manchmal auch super zielgerichtete, vielleicht sogar stressige. In dieser Form hat mich Barcelona geprägt. Dennoch fühlt es fühlt sich an wie der Vibe der Stadt. Barcelona ist einfach schön, manchmal vergesse ich es.

Orientierst du dich an einem bestimmten Konzept bei der Kreation deines Schmucks?

Eigentlich nicht. Für bestimmte Projekte steht ein Konzept, also eine Idee dahinter - eine Aussage. Im Anschluss gibt es ein Research und Formenfindung usw., aber es ist nicht, wie bei der Mode. Vom Ablauf her zumindest nicht. Meine Kollektion zum Beispiel heißt forever untitled, und ist ein Kosmos, der sich nicht an SS oder FW orientiert. Die Pieces stehen für sich selbst. Das Konzept ist innerhalb des Konzepts sehr frei und unabhängig. Das mag ich. Es ist nicht so einfach die richtigen, wenigen Richtlinien zu finden, die es einem erlauben immer nach demselben Schema zu arbeiten.

Wie stellst du deinen Schmuck am liebsten dar?

Das ist eine gute Frage. Ich liebe es ihn selbst zu tragen. Aber ich mache viel Custom-Schmuck, und da ist es einfach schön zu sehen, dass die Menschen ihn nicht mehr ausziehen wollen und sich damit identifizieren können. Da geht es nicht viel um eine bestimmte Inszenierung. Es ist etwas sehr persönliches. Ich weiß nicht, ob ich die Frage richtig beantwortet habe. Hahaha.

Worauf hast du bei deinen Konzeptvideos am meisten Wert gelegt und was hast du in diesem Sinne noch für die Zukunft geplant?

Die Videos sind irgendwie immer ein Teil meiner Arbeit gewesen. Ich mag das Bewegbild. Vor allem mag ich gesprochene Worte. Ich bin nicht sehr gut im Schreiben. Die Videos geben mir die Chance Dinge zu erklären - mit gesprochenem Wort oder auch ohne. Ich möchte Menschen Dinge fühlen lassen, die allein durch ein Foto vielleicht nicht greifbar wären. Diese Videos sind meistens spontan, sie passieren einfach. Mal sehen was als nächstes kommt!

Neben der Herstellung von Schmuck bist du ja auch noch anders künstlerisch aktiv. Fotografie, Tanz, Zeichnen - alles mit dabei. Was konntest du bis jetzt daraus ziehen? Was für einen Wert hast du persönlich daraus mitnehmen können?

Alles fließt ineinander. Die Bewegungen vom Tanz. Im nächsten Akt hast du die Bewegung vom Stift und die Linien auf dem Papier, die dann zu einem Schmuckstück werden, dass ich dann abfotografiere. Alles hängt zusammen, aber ich muss nur mit einer dieser Sachen Geld verdienen. Das ist das beste daran. Es ist ein wichtiger Ausgleich Dinge zu tun, die man liebt. Einfach nur wegen der Leidenschaft und nicht weil man gut performen muss, weil ein gewisser Kunde dahinter steckt. All das mache ich für mich. Es ist wie eine Therapie - etwas, das ich brauche. Ich habe mein Skizzenbuch auch immer dabei.

Was ist dir wichtig, wenn du an den Kunden denkst?

Ich weiß es nicht so genau. Ich weiß nur, dass ich es liebe, dass ich Kunden in jedem Alter habe. Also wirklich jedes Alter. Die ein oder andere Babykette war auch schon dabei. Ich liebe, dass es etwas gibt, was die Menschen verstehen, in dem was ich mache. Etwas, dass man man nicht sehen kann. In einer Sache, bei der es scheint, dass es nur um das Äußere geht. Ich glaube das Wichtigste für mich ist, dass ein Kunde das fühlen und wertschätzen kann.

Was sind deine Hauptziele für die nächste Zeit und was möchtest du auf jeden Fall in deinem Leben erreicht haben?

Das ist eine große Frage. Für die nächste Zeit, will ich die Kollektion mehr pushen. Pieces, die immer im Onlineshop sind, vielleicht auch Läden finden, in denen ich sie verkaufen kann. Ich will eigene Projekte und Pieces machen, auf die ich Lust habe. Da gibts ne ganze Liste. Ich brauche mein Zuhause. Das sollte eigentlich der erste Punkt sein. Später im Leben werde ich abhauen, in mein Dorf in Kamerun. Ich will eine Schule bauen oder zumindest einen Ort des Lernens - des kreativen Lernens. Ich frage mich, ob man Freiheit lernen kann, wenn ja würde ich das gerne dort unterrichten.

Text: Angelina Tobin & Moubarak Assima Fotos: Alexandra Cepeda / Styling: Rebecca Sueiro / Make-Up: Schamiram Ninos Models: Nei Bikoko & Ibra Ceesay

Moubarak Assima

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