Nicht nur Big in Japan: Wie A Bathing Ape die Welt eroberte

Spätestens seit den frühen 2000ern ist Rap das Musikgenre der Jugend schlechthin. Was sich in den 90ern durch immer größeres Interesse an Künstlern wie The Notorious B.I.G., Tupac und Dr. Dre angebahnt hatte, wurde in der Ära Kanye West, Pharell Williams und Jay Z Realität

Nicht nur Big in Japan: Wie A Bathing Ape die Welt eroberte

Spätestens seit den frühen 2000ern ist Rap das Musikgenre der Jugend schlechthin. Was sich in den 90ern durch immer größeres Interesse an Künstlern wie The Notorious B.I.G., Tupac und Dr. Dre angebahnt hatte, wurde in der Ära Kanye West, Pharell Williams und Jay Z Realität

Spätestens seit den frühen 2000ern ist Rap das Musikgenre der Jugend schlechthin. Was sich in den 90ern durch immer größeres Interesse an Künstlern wie The Notorious B.I.G., Tupac und Dr. Dre angebahnt hatte, wurde in der Ära Kanye West, Pharell Williams und Jay Z Realität. Rapper waren nicht mehr Underground. Sie waren die, die in der Musikindustrie den Ton mit angaben. Nicht nur das: Sie waren auch Idole, deren Lifestyle von den Fans zelebriert wie adaptiert wurde, was die zu den ersten Trendsettern der damals neu aufkeimenden Streetwear machte. Eine Marke sticht dabei besonders heraus, da sie nicht nur damals eine der angesagtesten war, sondern auch den Test der Zeit bestanden und bis heute einen Platz auf den Straßen der Welt hat. Die Rede ist von A Bathing Ape.

Die Anfänge

Die Geschichte von BAPE (wie A Bathing Ape abgekürzt wird) beginnt jedoch ein Jahrzehnt früher, in einem Viertel von Tokio; Harajuku. Wer sich schon einmal mit japanischer Mode auseinandergesetzt hat, dem wird dieser Name aus gutem Grund ein Begriff sein. In diesem Viertel entwickelte sich in den 90er-Jahren nämlich die Streetwear-Bewegung Ura-Harajuku (jap.: "verstecktes Harajuku", kurz Urahara), wobei Brands wie Neighborhood oder WTaps das Licht der Welt erblickten. In einer distanzierten und leistungsorientierten Gesellschaft, wie der japanischen, war Harajuku der Gegenpol zur Norm. Die Philosophie war ähnlich des Punks und Hip-Hops, welche zu der Zeit in Japan nahezu nicht existent waren. Besonders aber durch die Arbeit Hiroshi Fujiwaras, dem Pionier von Urahara und bis heute einer ihrer bekanntesten Köpfe, fanden diese auch ihren Platz in Japan und boten Jugendlichen, die nicht ins System passen wollten, eine Möglichkeit, ihre rebellische Ader auszuleben.


An diesem Aufstieg war auch NOWHERE beteiligt, ein in 1993 eröffneter Store, geführt von Jun Takahashi, welcher dort Klamotten des eigens gegründeten Labels Undercover verkaufte, und Nigo (bürgerlich Nagao Tomoaki), der später mit BAPE auch außerhalb Japans für großes Aufsehen sorgen sollte. Nachdem der Erfolg mit einzelnen Teilen bei Nigo ausblieb, entschied er sich, wie sein Kollege Takahashi, eine eigene Brand ins Leben zu rufen, die er nach einem japanischen Sprichwort benannte. "Ein im lauwarmen Wasser badender Affe ist jemand, der sich selbstzufrieden gehen lässt und, verspätet, nur das minimalste tut, aber trotzdem erwartet, es weit zu bringen.“ Eine Phrase, um besonders die Jugendlichen der Oberklasse zu beschreiben, die sich der Leistungsgesellschaft widersetzten, also das polare Gegenteil der japanischen Moral verkörperten. Eine Marke nach einer spöttischen Bezeichnung für die eigene Käuferschaft zu benennen ist gewagt, jedoch war dieser Mut genau das, was BAPE aus der Masse herausstechen ließ

Denn während der Rest der Urahara-Strömung sich stilistisch am Punk und teils an der High Fashion orientierte, was besonders durch Hiroshi Fujiwara bedingt war, experimentierte Nigo mit schrillen Prints und außergewöhnlichen Mustern. Besonders bediente er sich an der amerikanischen Popkultur, von der er nach eigener Aussage immer noch großer Fan ist, die Planet der Affen-Reihe aus den 1960er Jahren war eine der wichtigsten Inspirationen. Die in Urahara vorherrschenden Farbtöne waren Schwarz, Oliv und Dunkelblau, die Motive entweder Schriftzüge, Spray-Looks, Totenköpfe oder Blitze. Und damit spielte Nigo in seinen Designs: Seien es Affen, die er in verschiedensten Grün- und Brauntönen mit bunten Schriftzügen auf seine T-Shirts druckte, oder der Bapesta, ein Schuh, der dem Nike Air Force 1 erstaunlich ähnelte, aber durch bunte Farben und einen Stern mit Blitz statt Nike Swoosh bestach. Auch das Camouflage-Pattern, welches eigentlich einem funktionalen Zweck diente, wurde auffällig gefärbt und mit kleinen Affenköpfen im Muster versehen. Dieses Bape-Camo ist bis heute eines der Markenzeichen der Brand.

Seine Designs basieren auf einem Aspekt, entweder der japanischen oder westlichen Mode, und verändern diesen mit Elementen der jeweils anderen und sind dabei besonders eins: auffällig und anders. Aber trotzdem zu beiden Stilen passend.

Wild wild West

Nigo konnte in den frühen Jahren von BAPE nur ca. 50 T-shirts pro Woche produzieren, von denen er die Hälfte im 'NOWHERE' zum Verkauf anbot und die andere Hälfte an die einflussreichen Köpfe in Tokios aufstrebender Modeszene verschenkte, um die Brand mit dem Affen bekannter zu machen. Der Erfolg ließ nicht lang auf sich warten. Bereits 5 Jahre nach Gründung konnte BAPE schon 40 Stores in ganz Japan vorweisen. Durch künstliche Verknappungen, wurde Hype generiert, und so war 'A Bathing Ape' bald im ganzen Land bekannt. Doch der schwierigste Schritt für eine Brand, (besonders eine aus Japan stammende), ist der über die eigenen Landesgrenzen. Zwar wurde BAPE unter Kennern im Ausland immer beliebter, aber an einen Status im Heimatland war nicht zu denken. Das war, bis Nigo über seinen Juwelier, Anfang der 2000er Jahre, Pharrell Williams kennenlernte, der sich zu der Zeit noch als Produzent einen Namen machte und Nigos und BAPE’s Schlüssel zur westlichen Welt werden sollte.


Die Hip-Hop Industrie befand sich Anfang der 2000er in einem Umbruch. Nachdem die prägenden Gesichter der 90er, Tupac und Biggie, von der Bühne abgetreten waren, rückte Rap immer mehr in den Mainstream und junge ehrgeizige Künstler betraten die Szene. Zu ihnen gehörten auch Kanye West und Pharrell Williams, von denen besonders Letzterer durch seine Affinität zu dessen Klamotten, BAPE schließlich auch im Westen aufs Radar der Hip-Hop Fans rief. Die Beiden schlossen sich im Laufe der Jahre noch mehrmals zusammen, um verschiedene Labels zu gründen. Pharrell war Mitte der 2000er längst nicht mehr der Einzige, der sich mit Bapestas und Affen-T-Shirt einkleidete, auch Lil Wayne, Jeezy und Clips rappten alle davon. Kombiniert mit der Tatsache, dass Nigo seine Brand ohnehin schon in knappen Stückzahlen produzierte und sie dazu in den USA quasi nicht zu kaufen war, löste sie einen unfassbaren Hype in den Staaten aus. 2005 und 2006 wurden in New York und Los Angeles die ersten amerikanischen Geschäfte eröffnet, um der Nachfrage wenigstens etwas nachzukommen. Kanye West kreierte 2007 seinen eigenen Bapesta, welcher, trotz seiner miserablen Qualität, als einer einer der einflussreichsten Schuhe seiner Dekade in die Geschichte einging.

BAPE schaffte es, beide Märkte für sich zu begeistern, die man mit seinen Designs ansprechen und erreichen wollte. BAPE hat als erste Marke überhaupt der japanischen Mode Tür und Tor zur westlichen Welt geöffnet, in der heutzutage auch zum Beispiel 'Fragment' und 'Undercover' Fuß gefasst haben. BAPE beeinflusste eine ganze Generation von Rappern und Jugendlichen und schaffte es sich eine solche Fanbase aufzubauen, dass diese, trotz anderer Trends, im Jahre 2020 noch stolz mit einem Bapesta am Fuß aus dem Haus geht.

Das Ende einer Ära

Wie die Zeiten sich ändern, so ändert sich auch die Mode. Nach einigen Jahren im westlichen Rampenlicht war der Hype schließlich abgeklungen und BAPE wurde wieder ein Produkt für die eingefleischten Fans, weshalb sich Nigo Ende der 2000er Jahre entschied, den Fokus wieder auf den asiatischen Markt zu legen. Trotz allem stand es nicht gut um die Marke, da der plötzliche Abbruch des Hypes auch die Umsätze einbrechen ließ. 2009 trat Nigo als Geschäftsführer zurück und arbeitete nur noch als Creative Director. Zwei Jahre später wurde die Brand von einem Unternehmen aus Hong Kong aufgekauft, da sie die eigenen Schulden nicht mehr tilgen konnte. Zwei weitere Jahre später verließ Nigo 'A Bathing Ape' schlussendlich.

Seit Nigos Weggang ist BAPE nur noch ein Schatten seiner selbst. Es gibt zwar immer noch neue Kollektionen, diese verarbeiten allerdings seit Jahren die immer gleichen Designs, die man in der Art schon vor 15 Jahren gesehen hat. Es wirkt auf mich wie das schlechte Sequel zu einem Film, frei nach dem Motto „Einfach mehr von dem, was den Leuten gefallen hat, dann wird das schon“. Das, was Nigo hinterlassen hat, ist für mich ein abgeschlossenes Werk, eine Manifestation seiner Ideen in Bezug auf das Zeitgeschehen, an die schlichtweg nicht angeknüpft wurde. Die Innovation, das Neue und Verrückte, das BAPE einst ausmachte, fehlt nun komplett. Nicht, dass Nigos Arbeit umsonst gewesen ist - die Ästhetik, die er geprägt hat, ist einzigartig. Diese Ästhetik, das Altbekannte mit seiner eigenen Note zu versehen, spiegelt sich immer noch in seinen neuen Projekten wider.

Sein neues Label 'Human Made' bietet futuristische Mode mit einem Hauch von Vintage an. Außerdem ist er Creative Director von Uniqlo UT, wo die aktuelle asiatische und westliche Popkultur, die Nigo sehr schätzt, durch kreative Prints auf T-Shirts verewigt werden.


Um nicht endgültig unterzugehen, sollte BAPE sich anpassen und nicht auf der Stelle stehen bleiben. Die immer wieder aus der Mottenkiste von 2001 heraus gekramten und wieder veröffentlichten Designs entsprechen einfach dem Zeitgeist nicht mehr. BAPE war zwar schon immer anders, aber hat sich auch schon immer an den jeweiligen Trends und Kulturen orientiert, was heutzutage nicht mehr der Fall ist. Und das hat eine so großartige und einflussreiche Marke nicht verdient.

Autor: Frederic Schnarr

Moubarak Assima

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