OBS: Luxus wird neu definiert - Das Interview mit Matthias und Johannes Schweizer

OBS ist derzeit einer der spannendsten Brands in Deutschland. Für deutsche Verhältnisse ist diese Marke viel zu anspruchsvoll in ihrer Überzeugung, gewisser maßen ihrer Zeit voraus.

OBS: Luxus wird neu definiert - Das Interview mit Matthias und Johannes Schweizer

OBS ist derzeit einer der spannendsten Brands in Deutschland. Für deutsche Verhältnisse ist diese Marke viel zu anspruchsvoll in ihrer Überzeugung, gewisser maßen ihrer Zeit voraus.

OBS ist derzeit einer der spannendsten Brands in Deutschland. Für deutsche Verhältnisse ist diese Marke viel zu anspruchsvoll in ihrer Überzeugung, gewisser maßen ihrer Zeit voraus. Dieses Streben nach Exklusivität spiegelt sich jedem einzelnen Piece wider.

Die Marke wurde Anfang 2018 von den Brüdern Matthias und Johannes Schweizer ins leben gerufen. Matthias fing mit 14/15 an mit seiner Mutter eigene Kleidung zu nähen. Diese Energie erhielt er aufrecht und begann im Alter von 17 Jahren eine Ausbildung zum Modedesigner.

Das Interesse für Mode fiel jedoch eher gering aus. Die Leidenschaft für Produktdesign war groß, da die beiden Gebrüder Schweizer bereits im Kindesalter von ihren kreativen Umfeld geprägt wurden. Die Mutter ist Schnittdirektrice und der Vater Möbeldesigner. Ab da war es relativ klar, in welche Richtung es mit den Karrieren der beiden gehen sollte.

Heute führen die Brüder eine Marke die Luxus neu definieren soll, da luxuriöse Produkte oft als starr und karg gelten. Die ersten Luxusgüter die aus dem Modehaus OBS stammen, waren Ledertaschen für Männer. Da es damals kaum Möglichkeiten gab, fertigten sie die Taschen in dem Keller ihrer Eltern. Als die erste Kollektion fertig wurde sind sie anschließend nach Paris, um ihre Taschen bei der Pariser Fashion Week auszustellen. Ihnen war von Anfang an klar, dass sie International agieren wollten. Die harte Arbeit zahlte sich jedoch aus. Im Jahr 2019 konnte OBS 5-6 Internationale Retailer gewinnen. Unter anderem LuisaViaRoma.

OBS möchte sich mit ihren Luxusgütern ein klares Standing hinsichtlich Qualität verschaffen. Die Produkte werden in Deutschland zu fairen Arbeitsbedingungen produziert.

Wenn man an deutsche Modemarken denkt, die derzeit kursieren, denkt man schnell an Peso Clothing oder 6PM, was einfache Basicmode ist in meinen Augen. OBS hebt sich ab in dem sie Luxusgüter schaffen, die bis ins kleinste Detail durchdacht sind. Sie definieren den Luxus Zeitgeist des 21.Jahrhunderts.


OBS: Luxus wird neu definiert - Das Interview Matthias und Johannes Schweizer

Matthias, Johannes - wie geht’s euch? Seit ihr gut durchs neue Jahr gekommen? Für die, die euch bereits kennen, liegt es klar auf der Hand, was ihr macht. Stellt euch doch bitte den Lesern vor, und erzählt ihnen über eure Arbeit und wie euer Werdegang mit OBS aussah

Johannes: Erstmal vielen Dank für diese Möglichkeit, wir freuen uns, dass das mit dem Interview endlich klappt.

Matthias: Mein Bruder und ich haben Ende 2017, Anfang 2018 die Marke OBS gegründet. Die Idee dabei war, unsere Interpretation einer modernen Luxus Marke am Markt zu etablieren. Wir haben das Gefühl, dass der Luxusmarkt immer noch sehr starr ist und es wenig Veränderung gibt. Wir wollen Luxus in einen neuen Zusammenhang bringen und neu definieren. Sozusagen Luxus des 21. Jahrhunderts.

Begonnen haben wir damals mit einem Nischen Projekt "Luxus Ledertaschen für den Mann." Da wir damals natürlich kaum Kontakte oder Möglichkeiten hatten, haben wir angefangen unsere Idee im Keller unserer Eltern umzusetzen und haben hunderte Taschen selbst genäht. Mit unserer ersten fertigen Kollektion an Ledertaschen sind wir dann direkt nach Paris auf die Fashionweek und hatten dort einen eigenen Showroom. Für uns war von Anfang an klar, dass wir international agieren wollen. In Paris konnten wir dann Retail-Partner wie z.B LuisaViaRoma von OBS überzeugen. Im Jahr 2019 haben wir  mit ca. 5-6 Retail Partnern weltweit Produkte verkauft.

Fast zwei Jahre lang hatten wir kein eigenes Büro, haben in dem Keller unserer Eltern gearbeitet und unsere Taschen selbst genäht. Anfang 2020 sind wir in unser erstes eigenes Büro gezogen. Inzwischen arbeiten wir in einem Team von 5 Leuten und zusammen mit mehreren Produktionsstätten in Deutschland an unserer Vision.

2020 kam es dann, Corona bedingt, zu einem starken Umbruch im Retail. Wegen den Rückgängen am Point of Sale haben wir uns dazu entschieden, die Arbeit mit Retailern neu zu überdenken und unseren eigenen Onlineshop stärker zu fokussieren.

Das Interview war bereits so lange geplant, aber wir haben es irgendwie nie hinbekommen. Nun ist die Zeit jedoch reif. Ihr seid einer der spannendsten Marken, die Deutschland zu bieten hat. Wie entstand euer Interesse für Mode?

Team: Much Love!!!

Matthias: Wir wurden stark durch die Interessen unserer Eltern geprägt. Unser Papa ist Möbeldesigner und unsere Mama Schnittdirektrice. Schon in der Kindheit hatten wir ein enges Verhältnis zu Kunst und Design. Im Keller hatten wir immer schon Nähmaschinen. Mit 14/15 habe ich mit meiner Mama zusammen eigene Klamotten genäht und mit 17 eine Ausbildung zum Modedesigner gemacht.

Johannes: Es hat also nicht mit einem speziellen Interesse für Mode begonnen, es war vielmehr eine großes Interesse für (Produkt-)Design, Kunst und Ästhetik. Wir würden uns wahrscheinlich auch weniger als Mode- sondern eher als Produktdesigner beschreiben.

Ich hatte OBS bereits sehr früh auf dem Schirm, da mein Sensei Adrian Weiss aka Mr.Bianco auf seinem ehemaligen Blog „Biancissimo“ (heute Sabukaru) ein Interview mit euch hatte. Ihr arbeitet seit euren Anfängen mit Lederwaren, was sehr untypisch für deutsche Standards ist. Wie kamt ihr auf die Idee mit Lederprodukten zu arbeiten?

Matthias:Um 2016/2017 gab es eigentlich nur Crossbody Bags aus Nylon, die eher sportlich und unästhetisch gewirkt haben. Die wenigen Alternativen haben uns auf eine Nische und einen großen Bedarf schließen lassen. Durch unsere Fertigkeiten konnten wir die Idee einer luxuriösen Leder-Interpretation der bisher bekannten Taschen sofort umsetzen und haben direkt sehr gutes Feedback erhalten. Uns hat das gezeigt, dass der Bedarf da ist und wir auf dem richtigen Weg sind.

Im Designprozess ist dann das transparente Label entstanden das heute stark für die Ästhetik unser Arbeit steht und einen großen Wiederkennungswert mit sich bringt.

Wie bereits erwähnt ist OBS für deutsche Verhältnisse einfach zu gut. Ihr habt viel mehr Aufmerksamkeit verdient. Jedoch braucht alles gute seine Zeit. Wie kommt ihr bei der deutschen Community an? Vor allem sind eure Kernprodukte die Ledertaschen, wo ich mir gut vorstellen könnte, dass die meisten sie sehr feminin finden.

Matthias: Danke Danke!

Ich würde unsere Taschen nicht als feminin beschreiben... Unser erstes Produkt war wie gesagt eine Ledertasche für den Mann. Seitdem haben wir uns stark entwickelt und inzwischen produzieren wir Unisex Taschen in verschiedenen Formen und Farben. Es ist unsere Interpretation einer modernen Luxusmarke, ein Unisexprodukt zu liefern, das weder maskulin noch feminin ist. Wir bewegen uns weg von einem Gender-Sparten-Denken und streben nach einer neutralen/ Unisex Design-Lösung.

Zu beginn unserer Arbeit war das Feedback aus Deutschland noch sehr gering. Während wir international bereits 4 bis 5 Retail Partner hatten, war es hier Zuhause noch recht Still. Das hat sich aber vor allem im letzten Jahr stark geändert, und unsere Community in Deutschland ist gewachsen … ganz liebe Grüße an der Stelle :-)

Was hat sich seit der Pariser Fashion Week geändert?

Matthias: Die Pariser Fashion Week hat uns die Möglichkeit gegeben von Anfang an auf Augenhöhe mit anderen bekannten Modemarken zu agieren. Wir konnten unserem Produkt von Anfang an das richtige Standing liefern. Wir sehen uns als Global Player im Luxussegment und wollen auch so am Markt wahrgenommen werden.

Eure Produkte produziert ihr in Deutschland. Wie sehr steht Qualität an erster Stelle bei Euch? Damit meine nicht nur die Wertigkeit der Produkte, sondern jegliche Prozesse im Hintergrund. Faire Arbeitsbedingungen etc.

Matthias: Sehr.

Allein die Entscheidung für eine Produktion in Deutschland spricht schon stark für die Wichtigkeit der angesprochenen Bedingungen. Aber als Teil unserer Interpretation einer modernen Luxusmarke ist uns Transparenz entlang unserer Supply Chain sehr wichtig, deswegen haben wir uns für diesen Weg entschieden.

Johannes: Wir streben vor allem danach ein Produkt in bester Qualität zu verkaufen, wobei für uns neben der perfekten Verarbeitung eben auch optimale Arbeitsbedingungen ein Qualitätsaspekt sind. Wir wählen unsere Produktionsstätten also danach aus, wo wir das beste Produkt unter den besten Bedingungen erhalten.

Matthias: Bei den Taschen für die wir bekannt sind ist das in diesem Fall Deutschland. In der Zukunft haben wir viele weitere Produkte geplant. Es kann gut sein, dass diese in anderen Ländern produziert werden, in welchen aber die gleichen Arbeits- und Qualitätsbedingungen gelten wie in Deutschland.

Vor einigen Jahren haben wir bereits zusammengearbeitet. Ihr habt damals eine adidas Produktion von mir mit einigen coolen Pieces unterstützt (danke dafür nochmal!) Bei einem der Outfits hatte ich eine braune Techwear-Weste an. Habt ihr bereits in Planung auf mehr Produkte einzugehen, die nicht aus Leder sind?

Matthias: Grundsätzlich streben wir einen Ganzheitlichen Designansatz an, der sich über viele verschiedene Produktkategorien hinweg erstreckt. Bereits in diesem Jahr werden wir Produkte lancieren die in diese Richtung gehen… Es wird Klamotten geben, wir werden unsere Schmuck Kollektion weiter ausbauen und erste Produkte im Bereich Home Accessories präsentieren… 2021 wird wild!

Ihr nutzt sehr selektiv Influencer, die eure Produkte erhalten, um sie in kreative Postings unterzubringen. Wie wichtig ist euch euer Online-Auftritt?

Matthias: Unser Ethos hinsichtlich Luxus und Qualität soll sich natürlich auch in unserem Online-Auftritt und in unserer Kommunikation widerspiegeln, weswegen wir sehr selektiv vorgehen. Wir geben uns viel Mühe und investieren viel Zeit um dies zu verwirklichen.

Wir kommunizieren hauptsächlich Online, weil es für uns die beste Möglichkeit ist unsere Zielgruppe zu erreichen. Alle Postings sind sehr durchdacht und mit viel Arbeit verbunden.

Jetzt zu der Zeit, wo Corona unser täglich Brot ist, ist es noch schwieriger konkrete Projekte umzusetzen. Keiner weiß, wann der Wahnsinn aufhört. Könntet ihr euch vorstellen in naher Zukunft einen OBS-Store zu eröffnen?

Johannes: Ein eigener Store ist ein großer Traum von uns. Aktuell gibt es noch nichts Konkretes, aber wir streben danach unsere Vision auch in ein physisches shopping Erlebnis zu verwandeln.

Apropos Corona. Covid-19 ist eine unterschwellige, depressive Decke, die alle eindeckt. Wie motiviert ihr euch in dieser Ausnahmesituation, um am Ball zu bleiben?

Johannes: Für mich ist es durch Corona einfacher geworden, am Ball zu bleiben. Mein Tag findet zwischen Office und Zuhause statt und wegen der Einschränkungen habe ich keine FOMO mehr. Meine Freunde sind auch entweder in der Arbeit oder Zuhause.

Viele Beklagen sich ja, dass einem die Decke auf den Kopf fällt und man unkreativ ist. Ich sehe dabei kein Problem, Inspiration finde ich im Internet, in Büchern oder in der Arbeit selbst.

Matthias: Unser erstes eigenes Office kam hier genau zur richtigen Zeit und gibt uns die Möglichkeit in einem sehr kleinen Team in einer perfekten Atmosphäre konstant zu arbeiten. Wir haben das gesamte letzte Jahr hier verbracht und uns eine Mischung aus Büro, Studio und Werkstatt geschaffen. Hier wird genäht, gemalt, Möbel entworfen und Skulpturen erschaffen… wir haben uns sogar einen eigenen Brennofen für unsere Keramik-Arbeiten besorgt... Eine depressive Decke haben wir nicht gespürt und reisen konnten wir uns eh nie wirklich leisten, damit vermissen wir auch das nicht, haha.

Ihr habt keine abgeschlossenen Design Studiengänge, wenn ich mich nicht irre, und habt dennoch aus eigener Kraft eine unglaublich gute Brand aufgezogen, die noch weiter blühen wird, wenn sie ausreichend gegossen wird. Habt ihr irgendwelche Schlussworte für die Jugend?

Matthias: Ich habe eine abgeschlossene Ausbildung als Modedesigner und zusätzlich BWL und freie Kunst studiert. Hannes und ich haben aber bereits vor meiner Ausbildung mit 12 und 14 Jahren mit unseren ersten eigenen Entwürfen begonnen.

Johannes: Früher wollte ich immer schnell mit allem fertig sein und nicht studieren. Heute sehe ich das etwas anders. Drei Jahre Studium sind rückblickend eine sehr kurze Zeit um zusätzliches Wissen zu erhalten. Auf Instagram wird eine Utopie der Karriere von Influencern vorgelebt, die aber oft nicht der Realität entspricht. Lasst euch nicht unter Druck setzen und fühlt euch nicht schlecht, alles kommt zur rechten Zeit.

Autor: Moubarak Assima

Moubarak Assima

Creator & Stylist Creative ideas for @nofaithstudios Manage things @fabricsoverfriends Represented by @noinfluence.today Editor @title

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