Vom Court bis zur Halfpipe - Die Erfolgsgeschichtedes Nike SB Dunks

Vor gut 20 Jahren sah die Sneakerwelt noch ganz anders aus. Zur Jahrtausendwende gewann Skaten endlich an Bedeutung und zum ersten Mal nahm die Szene Einfluss auf die Verkaufszahlen der Sneakerindustrie.

Vom Court bis zur Halfpipe - Die Erfolgsgeschichtedes Nike SB Dunks

Vor gut 20 Jahren sah die Sneakerwelt noch ganz anders aus. Zur Jahrtausendwende gewann Skaten endlich an Bedeutung und zum ersten Mal nahm die Szene Einfluss auf die Verkaufszahlen der Sneakerindustrie.

Die Einführung der Nike SB Linie

Vor gut 20 Jahren sah die Sneakerwelt noch ganz anders aus. Zur Jahrtausendwende gewann Skaten endlich an Bedeutung und zum ersten Mal nahm die Szene Einfluss auf die Verkaufszahlen der Sneakerindustrie. Nike gab damals alles, um sich einen Footprint auf dem immer weiter expandierenden Markt zu sichern. Die erste Unterschrift holten sie sich von Bam Margera- die meisten kenn ihn von Jackass oder für seine Skate-Künste.- allerdings stellte sich diese Beziehung als weniger spektakulär heraus. Der Release der ersten drei Signature Silhouetten erwiesen sich als absoluter Flop. Der erste Versuch, sich in der damaligen Skate-Szene zu etablieren scheiterte somit gewaltig. Nikes Marketingstrategie war es zu der Zeit, aktuelle Skater unter Vertrag zu nehmen und ihre Produkte in „normale“ Sportgeschäfte zu stellen. Im Nachhinein merkte man, dass es viel sinnvoller sei, die eigenen Produkte in unabhängigen Skate-Stores  zu vermarkten, um tiefer in die Szene einzutauchen und das Zielpublikum direkt anzusprechen. Nichtsdestotrotz trugen bereits eine Hand voll Skater Schuhe von Nike. Berühmte Namen wie Lance Mountain und Bones Brigade rockten damals schon stolz den Nike Blazer. Skater wie Mark Gonzales und Steve Caballero trugen am liebsten 1er Jordan.

Nikes größter Fehler hierbei war es, die Subkulturen nicht als Ganzes anzusehen und insgesamt viel zu früh viel zu kommerziell zu denken und dementsprechend zu agieren. Die Technologie damals war mittlerweile aber soweit, dass man einen Schuh komplett aus Leder anfertigen konnte, welcher ideal fürs skaten geeignet war.

Vom Court bis zur Halfpipe


Das legte den Grundstein für einige der erfolgreichsten und beliebtesten Skateschuhe, die jemals hergestellt wurden. Im Jahr 2001 begann Nike also einen Sneaker zu kreieren, der nicht nur die Skate-Szene beeinflussen sollte, sondern die gesamte Sneaker-Kultur reformierte.

1985 wurde der Nike Dunk das erste mal vorgestellt. Designed von einem gewissen Herrn Peter Moore, welcher heute einer der einflussreichsten Designer der Geschichte Nikes ist. Dieser Schuh, wies einige optische Parallelen zum 1er Jordan auf. Beide Schuhe wurden im selben Jahr released und wurden vom selben Team entworfen. Was den Dunk jedoch so besonders machte, waren die zahllosen aber doch einzigartigen Colourways. Ursprünglich als College-Basketball-Sneaker lanciert, brachte Nike den Dunk in den passenden Farben der jeweiligen Schulen heraus. Der mit dem Schuh verbundene Slogan war: „Be true to your school“.

Es dauerte nicht lange, bis auch Skater Fans des Nike Dunks wurden. Aufgrund der Dämpfung, die er bot, sowie der zusätzlichen Traktion, die die Sohle möglich machte.

Die Geburt des Nike SB Dunks

Damals wurde der Nike Dunk ausschließlich als Basketballschuh vermarktet. In den späten 90ern erhielt der Dunk einige technische Updates - wie zum Beispiel die Einführung einer Nylonzunge - welche den Schuh unbeabsichtigt noch besser zum Skaten machte. Während sich immer mehr Skater für Dunks interessierten, hatte Nike jedoch immer noch das oben erwähnte Problem.


Im Jahr 2001 wurde Sandy Bodecker zum General Manager von Nike SB ernannt, mit der Aufgabe, das Problem mit dem Skate-Geschäft zu lösen. Nachdem er eine wichtige Rolle beim Aufbau der Fußballabteilung gespielt hatte, hoffte Nike, dass Bodecker eine Antwort auf die schwache Performance der SB- Sparte finden konnte.

Kurz gesagt, bestand Bodeckers Lösung genau darin, das Gegenteil von dem zu tun, was Nike zuvor getan hatte. Nike SB mied nicht spezialisierte Sportgeschäfte, General Releases und Massenproduktionen. Bodecker argumentierte, dass die Entwicklung eines komplett neuen Skateschuhs keinen Sinn machte, da Nike bereits unbewusst Schuhe für Skater produzierte.

Ein Beispiel hierfür war der Air Jordan 1, der bereits in den 90er von Skatern zum benutzt wurde. Stattdessen überlegte er, den Dunk neu zu entwickeln und eine Version speziell für Skater zu kreieren.

Während Bodecker und der Rest des SB-Teams immer noch auf dem Basketballschuh aufbauten, wussten sie, dass der SB Dunk in erster Linie für das Skateboarden sein musste, was mehr als nur eine einfache Neugestaltung bedeutete. Der neue Sneaker musste die Skatekultur kennen und respektieren.

Um Aufmerksamkeit in der Community zu wecken, wurden vier Skater zum neuen Gesicht des Dunks: Reese Forbes, Gino Ianucci, Richard Mulder und Danny Supa waren die Brand Ambassadors, die von Nike auserkoren wurden, die Popularität des Dunks innerhalb der Subkultur zu erhöhen.

Die Gruppe waren mehr als nur Sportler. Sie spielten zudem eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung des Nike SB Dunks. Um den Schuh besser zum Skaten benutzen zu können, wurden einige Änderungen am ursprünglichen Dunk vorgenommen, damit er der nahezu konstanten Belastung standhält. Die Innensohle wurde mit Polstern versehen, um den Aufprall zu verringern, während an der Sohle auch einige Änderungen vorgenommen wurden, um für eine bessere Traktion auf Grip Tape zu sorgen. Die bemerkenswerteste Änderung war jedoch die Einführung der geliebten fetten Zunge des SB Dunks.

Während die technischen Änderungen entscheidend waren, unterschied sich der SB Dunk auch durch seine Ästhetik von herkömmlichen Skateschuhen. Laut Mulder stellt der SB Dunk eine dramatische Veränderung gegenüber den Tagen dar, an denen sie ein zusätzliches Paar Schuhe zum Entspannen nach dem Skaten in Ihrem Rucksack hatten. Im Gegensatz zu seinen „chunky“ Konkurrenten war der SB nicht nur zum Skaten gedacht. Noch wichtiger war, dass die Schuhe -nicht nur auf dem Board- gut aussahen. “Ich mochte es, Skateboard-Tricks in diesen Schuhen zu sehen”, sagte Mulder.

Die Popularität des SB Dunks beruhte auf seiner Crossover-Ästhetik. Mit einfachen Worten gesagt, war es letzen Endes ein Basketballschuh, der zu einem Skateschuh umfunktioniert wurde. Das war essenziell für den Erfolg.

Die ersten vier SB Dunks waren nur in begrenzten Mengen erhältlich und wurden ausschließlich über ein Elite-Netzwerk unabhängiger Skate-Boutiquen verkauft - ein drastischer Unterschied zu den  früheren Veröffentlichungen von Nike SB. Aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit der einzelnen Schuhe waren die Skater die ersten, die die Schuhe in die Hände bekamen und tatsächlich in den neu eingeführten SB Dunks skateten. Mit den Schuhen im Gepäck, denen die Skater nun zu Füßen lagen, beschloss Nike SB im Juni desselben Jahres, mit Zoo York und Chocolate zusammenzuarbeiten. Zu ihrer Zeit waren es die bekanntesten Skatemarken.


In den Anfängen der 2000er kreuzten Nike SB und Supreme ihre Schwerter, um zwei legendäre SB Dunks herauszubringen. Die Schuhe waren die ersten Nicht-Jordan-Sneaker, die den berühmten Elephant Print trugen, der einst durch den Air Jordan 3 bekannt und beliebt wurde. Sie verließen den reinen Performance- Bereich und etablierten sich zunehmend als Lifestyle- und Hype- Sneaker.


Die drei Partnerschaften, die Nike durch ihre Nike SB Linie ans Land zog, trug dazu bei, dass der Nike SB Dunk endgültig in der Core-Skateboard-Community etabliert wurde, was bisher nicht gelungen war.

Der SB Dunk low Supreme White Cement (2002) Quelle: StockX
Nike SB Dunk Zoo York, Quelle: StockX
Nike SB Dunk Los Chocolate, Quelle: StockX

Mehr als nur ein Schuh zum skaten

Doch es sollte nur der Anfang einer langen Geschichte sein, denn plötzlich hatten Skateshops einen neuen Kunden in der Hand: Sneakerheads. Anfang des 21. Jahrhunderts standen Sneakerheads plötzlich stundenlang - manchmal tagelang - an, um die neueste Zusammenarbeit oder erfinderischen Colourways zu erwerben. Unter der „Silver Box-Ära“  wurden die von 2003 bis 2004 eingeführten Produkte von Nike SB bekannt und begehrt. Unter anderem der Jedi, Heineken und U.N.K.L.E - einige der am meisten gehyptesten Sneaker auf dem Markt. Während die Jedi und Heinekens lediglich eine Hommage an Star Wars und der niederländischen Brauer waren, waren die U.N.K.L.Es - oder offiziell auch als Dunkles bezeichnet - eine offizielle Zusammenarbeit, mit der britischen Trip-Hop-Gruppe UNKLE und Futura; dem berühmten Graffiti-Künstler und bekannten Sneaker-Enthusiast. Die im September 2004 veröffentlichten Dunkles hatten wenig mit skaten am Hut. Zu diesem Zeitpunkt, hatten Skater im Großen und Ganzen aufgehört, High Top Schuhe zu tragen. Stattdessen versuchte Nike mit dem SB Dunk, die neu entdeckte Zielgruppe zu erreichen, indem man mit einem Titanen der Straßenkultur zusammenarbeitete. Ende 2004 wusste Nike SB, dass der Dunk nicht mehr nur ein gewöhnlicher Skateschuh war. Sie taten alles, um daraus Kapital zu schlagen. Das erklärt auch die kreativen Kollaborationen, die mit der Zeit auf dem Nike SB Dunk entstanden sind.

SB Dunk low Jedi, Quelle: StockX
Nike Sb Dunk High Pro Unkle, Quelle: StockX

Nike SB Dunk Kollaborationen

Um einen besseren Einblick in die Welt der Kollaborationen und unterschiedlichsten Colourways zu bekommen, haben wir euch mal ein paar weitere Modelle rausgesucht, und lassen euch mal eure eigene Meinung bilden. Dem Einen oder Anderen kommen bestimmt ein paar Kindheitserinnerungen hoch...

Jeff Staple x Dunk low Pro SB Pigeon, Quelle: StockX
Dunk low Pro x Comme Des Garcons, Quelle: Farfetch
Dunk low Paris, Quelle: StockX
Dunk low Yellow Lobster, Quelle: StockX
Nike SB Dunk Low Ben & Jerry’s Chunky Dunky (FF Packaging), Quelle: StockX
Nike SB Dunk Low x Travis Scott, Quelle: StockX

Der Nike SB Dunk im Jahr 2020

Auch wenn Nike keinen SB Dunk mehr herausbringt, der an die aus den frühen 2000er Jahren erinnert, verfügt der Schuh über ein Archiv, mit dem nur wenige Marken konkurrieren können. Man muss ebenfalls erwähnen, dass der Nike SB Dunk eine kulturelle Vielfalt mit sich bringt. Angesichts des heutigen Marktes, der von einer nie zuvor gesehenen Wertschätzung von Archiv- und Vintage-Stücken dominiert wird, ist die Bühne möglicherweise reif für ein SB-Comeback.

Meiner Meinung nach, wird der SB Dunk niemals zu seinem früheren Glanz zurückkehren. Trotzdem ist er einer der einflussreichsten Sneaker, der letzten zwei Jahrzehnte, und hat wie die Air Force 1 und Jordan 1 seinen ursprünglichen Zweck übertroffen. Der SB Dunk war größer als Skateboarding und legte den Grundstein für die zeitgenössische Sneaker- und Streetwear-Kultur. Es hat gezeigt, wie effizient eine Zusammenarbeit zwischen großen Marken und kleinen Authentischen Personen, die in ihrem Umfeld wie Helden gefeiert werden, sein kann.

Das ist der sicherste Weg zur Authentizität - und letztendlich zur gewollten Wirkung, die aber auch übers Ziel hinausschießen kann. Selbst wenn der SB Dunk stirbt, wird er zweifellos die Schuhe beeinflussen, die seinen Platz einnehmen werden.


Autor: Paul Herzfeld

Moubarak Assima

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